Politik : Naumann: Ypsilanti war heroisch

Armin Lehmann

Berlin - Michael Naumann fühlt sich „sehr ermutigt“. Die letzten Wochen waren für den Hamburger SPD-Spitzenkandidaten und beurlaubten Herausgeber der „Zeit“ schon hoffnungsvoll gewesen, weil er immer dichter an den zunächst weit vor ihm liegenden Ersten Bürgermeister Ole von Beust (CDU) herangekommen war. Gestern Abend steht Naumann entspannt im Willy-Brandt-Haus und sagt dem Tagesspiegel: „Das Ergebnis in Hessen spornt uns an. Ich habe zusammen mit Andrea Ypsilanti bei 29 Prozent gelegen, als wir angefangen haben. Die Führung der CDU schien unüberwindlich.“ Ypsilanti habe einen „heroischen Wahlkampf“ geführt.

In Hamburg wird am 24. Februar gewählt. Zurzeit liegt die SPD bei 37 bis 38 Prozent, allerdings immer noch weit hinter der CDU, die 42 Prozent erreicht. Naumann will in Hamburg die CDU-Alleinregierung mit einer rot-grünen Koalition ablösen. Ole von Beust hatte sich vor wenigen Tagen sogar noch optimistisch gezeigt, dass selbst die absolute Mehrheit nicht ausgeschlossen sei: „Wenn es zum Schwur kommt, wissen die Wähler, wen sie zu wählen haben“, sagte er dem Tagesspiegel. Das habe er im Gefühl. Beust schließt ein Bündnis mit den Grünen nicht aus, mit der SPD schon. Naumann wiederum findet, dass Beust seit zehn Monaten „Amtsmüdigkeit“ als Signal verbreite. Beust hatte im Interview mit dem Tagesspiegel gesagt, wenn es nicht für ihn reicht, würde er keine Politik mehr machen. Naumann sagt: „Das sagt er ständig. Was soll man davon halten.“ Inhaltlich will Naumann im Wahlkampf nichts mehr ändern. Die wachsende soziale Ungerechtigkeit sei in ganz Deutschland seit langem Wirklichkeit. „Es gibt Brüche in unserer Gesellschaft, die sind nicht mehr ertragbar.“

In Hamburg regiert die CDU seit 2001, als Beust mit Unterstützung des Rechtspopulisten Barnabas Schill und trotz einem Ergebnis weit unter 30 Prozent an die Macht gekommen war. 2004 hatte Beust mit 47 Prozent die absolute Mehrheit erkämpft. Die zerstrittene SPD hatte nach langen internen Kämpfen im Juni 2007 den in der breiten Öffentlichkeit Hamburgs wenig bekannten Naumann mit 99,1 Prozent zu ihrem Spitzenkandidaten gewählt. Armin Lehmann

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