Politik : Naumanns Nein zum Holocaust-Mahnmal löst heftigen Streit aus

BONN/BERLIN (Tsp).Der Streit um das Berliner Holocaust-Mahnmal ist neu entbrannt.SPD-Kanzlerkandidat Schröder und der Verleger Naumann, den Schröder zum Staatsminister für Kultur machen will, lehnten am Dienstag erneut ein solches Mahnmal ab.Dagegen kritisierte Bundestagspräsidentin Süssmuth Naumann im Tagesspiegel: "Wer einen Gegensatz zwischen dem Erhalt und Ausbau der Gedenkstätten und der Errichtung des Mahnmals herbeiredet, schadet der Erinnerungskultur, anstatt sie zu befördern".Der CDU/CSU-Faktionsvorsitzende Schäuble warf Schröder und Naumann "zutiefst unfreiheitliches Kulturverständnis" vor.

Naumann sprach sich am Dienstag erneut gegen die Errichtung des Denkmals aus.Auch SPD-Kanzlerkandidat Schröder bekräftigte, er stehe dem Verleger in dieser Frage "sehr nah".Bundestagspräsidentin Süssmuth sagte dagegen im Tagesspiegel: "Wer sich in einer Weise wie Herr Naumann zum Holocaust-Mahnmal äußert, qualifiziert sich nicht als Kenner der Gedenk- und Mahnmalkultur." Den Entwurf von Eisenman als "elegantes Denkmal" zu interpretieren, könne "nur demjenigen einfallen, der sich mit dem vorgelegten letzten Entwurf entweder noch gar nicht auseinandergesetzt hat oder aber grundsätzlich gegen die Errichtung des Mahnmals in Berlin Stellung bezieht".

Nachdrücklich unterstrich Süssmuth gegenüber dem Tagesspiegel, wer für die Errichtung des Mahnmals eintrete, wolle keine "Ästhetisierung des Terrors" betreiben, sondern vielmehr einen Ort schaffen, "der zum Nachdenken anregt und zur Auseinandersetzung mit der NS-Herrschaft, ihren Grundlagen und Folgen und ihren Konsequenzen für die Gegenwart und Zukunft".

Schäuble selbst sprach sich dafür aus, das Mahnmal für die ermordeten Juden jetzt "endlich zu bauen".Nach Auffassung des Staatsministers im Kanzleramt, Pfeifer, steht Naumanns Haltung im totalen Gegensatz zu der bisherigen, "gerade in dieser Frage von großer Sensibilität getragenen Haltung der SPD-Fraktion im Bundestag".Naumanns Äußerungen seien "absurd".

In der Berliner SPD hat das Plädoyer Naumanns für den Schloß-Neubau inzwischen eine Kontroverse ausgelöst.Während der SPD-Fraktionsvorsitzende Böger den Vorstoß nachrücklich begrüßte, zeigte sich Stadtentwicklungssenator Strieder ablehnend."Herr Naumann kennt die Berliner Debatte nicht ausreichend, sagte Strieder am Dienstag.

Unterdessen haben sich im Tagesspiegel mehrere Ministerpräsidenten sowohl von SPD- als auch CDU-geführten Bundesländern skeptisch gegenüber der Idee eines Staatsministers für Kultur geäußert.

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