Politik : Naumanns Zahlenspiegel (Kommentar)

BS

Der Alltag einer Regierung ist grau. Höhenflieger Michael Naumann macht da keine Ausnahme. Die Bilanz der rot-grünen Kulturpolitik entbehrt der Geistesblitze, mit denen der Seiteneinsteiger vor einem Jahr die Öffentlichkeit faszinierte. Statt dessen hat sich Naumann überwiegend auf nüchterne Zahlen verlegt. Die Prognose, die Kultur werde am Ende dieser Legislaturperiode "noch immer so viel haben wie im letzten Jahr der früheren Regierung", ist zwar beste Politprosa, aber auch Naumann muss eben den Kürzungsdruck als Erfolg verkaufen. Dem Eigenlob dieses erstmals installierten Bundeskulturministers lässt sich durchaus zustimmen. Denn Erfolg bemisst sich in der Politik am Gelde, und da haben Schröder und Eichel ihren Staatsminister nicht im Regen stehen lassen. Zumindest die östlichen Bundesländer und die Bundeshauptstadt Berlin profitieren davon spürbar. Zwar werden die Hauptstadtkulturmittel ihre diesjährige Höhe nicht auf Dauer halten können; anderseits kann die Preußen-Stiftung ihr marodes Erbstück Museumsinsel endlich sanieren. Das klingt alles in allem nicht sensationell, aber eines zumindest darf festgehalten werden: Dass Kultur ungeachtet der Ländervorbehalte auch eine eigene Angelegenheit des Bundes ist, lässt sich nach einem Jahr Naumann nicht mehr bestreiten.

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