Politik : Naummann will Shoah-Stiftung als Holocaust-Mahnmal

BERLIN (Tsp).In dem Streit über das in Berlin geplante Holocaust-Mahnmal sucht die neue Bundesregierung mit einem spektakulären Vorschlag offenbar einen Ausweg.Wie der Tagesspiegel am Mittwoch aus gut informierten Kreisen in Bonn erfuhr, will der designierte Staatsminister für Kultur, Michael Naumann, auf dem vorgesehenen Gelände in der Nähe des Brandenburger Tores einen Teil der von dem amerikanischen Regisseur Steven Spielberg gegründeten Shoah-Foundation ansiedeln.Naumann selbst wollte dies auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren.

"Warten wir doch ab, bis der Bundestag seine Diskussion über das Mahnmal in den nächsten Wochen geführt hat, und reden wir dann über die Zukunft", sagte Naumann dem Tagesspiegel.Die Shoah-Stiftung (Survivors of the Shoah Visual History Foundation) geht auf Spielbergs Film "Schindlers Liste" und die Tausenden Holocaust-Überlebenden zurück, die sich daraufhin bei dem Regisseur meldeten.Ziel der Stiftung ist es, die Aussagen von Holocaust-Opfern auf Videobändern festzuhalten.240 Angestellte und 3800 Freiwillige arbeiten in 14 über die ganze Welt verstreuten Büros an der Aufzeichnung der Geschichte von während der NS-Zeit Verfolgten.Bislang haben die Mitarbeiter 47 992 Interviews aufgenommen.Die Interviews, geführt in bislang 29 Sprachen, dauern zwischen einer und fünf Stunden und werden durch elektronische Medien weltweit zugänglich gemacht.Spielberg wurde auch für dieses Engagement vor einigen Wochen mit dem Großen Verdienstorden mit Stern der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.Bundespräsident Roman Herzog hatte dem Regisseur bei dieser Gelegenheit für dessen Arbeit gedankt.Die Shoah-Stiftung habe im Grunde jene Aufgabe übernommen, die man hierzulande mit der Errichtung eines "steinernen Holocaust-Mahnmals" lösen wolle, bemerkte Bundespräsident Herzog damals.

Bislang galt das Stelen-Modell des amerikanischen Architekten Peter Eisenman als Favorit für das Mahnmal.Sowohl Naumann als auch der designierte Bundeskanzler Gerhard Schröder hatten sich dazu allerdings vor der Bundestagswahl skeptisch geäußert.

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