Politik : Nauru: Der Zwergstaat nimmt noch mehr Flüchtlinge auf

Moritz Kleine-Brockhoff

Die Pazifikrepublik Nauru und Australien haben vereinbart, dass der Inselstaat übergangsweise noch 237 weitere Flüchtlinge aufnimmt. Diese waren am Freitag auf einem indonesischen Schiff in internationalen Gewässern von der australischen Kriegsmarine entdeckt und an Bord des Truppentransporters "Manoora" gebracht worden, der bereits mit mehr als 433 Flüchtlingen auf dem Weg nach Papua-Neuguinea ist. Für diese Zusage bekommt Nauru von Australien Benzin, Stromgeneratoren und Universitäts- und Sportstipendien. Außerdem bezahlt die australische Regierung alle offenen Arztrechnungen von Bürgern Naurus, die sich in Australien behandeln ließen. Die ungewöhnliche Übereinkunft gab Australiens Verteidigungsminister Peter Reith in Nauru bekannt. Australische Medienberichte, nach denen die Hilfe rund 23 Millionen Mark wert sei, wollte er nicht kommentieren. "Wir tun Australien einen Gefallen, wir helfen unseren Freunden", sagte Naurus Regierungschef Rene Harris.

Am Mittwoch soll das australische Militärschiff "Manoora" Port Moresby erreichen, die Hauptstadt von Papua-Neuguinea. Dort wird es aber nicht anlegen, sondern 25 Kilometer entfernt in internationalen Gewässern bleiben. Papua-Neuguinea hat seinen Flughafen als Transitstation zur Verfügung gestellt. Die Flüchtlinge sollen mit australischen Militärhelikoptern zum Flughafen gebracht werden und von dort aus mit australischen Flugzeugen nach Neuseeland und Nauru geflogen werden. Die beiden Staaten hatten sich bereit erklärt, die Asylsuchenden aus Afghanistan ud Irak aufzunehmen. Australiens Ministerpräsident John Howard hatte sich zuvor geweigert, die Flüchtlinge in Australien an Land zu lassen. Neuseeland will 150 Flüchtlinge aufnehmen, Nauru hingegen 520. Die Insel ist mit einer Fläche von 21 Quadratkilometern der kleinste Staat der Welt, nur 12 000 Menschen leben dort. Wenn jetzt mehr als 500 Flüchtlinge nach Nauru kommen, ist das so, als nähme Australien mehr als eine Million Flüchtlinge auf.

Howard will jetzt durch eine Gesetzesänderung erreichen, dass australische Inseln, die zwischen Indonesien und dem australischen Kontinent liegen, nicht mehr Teil einer so genannten Migrationszone sind. Dann müssten Flüchtlinge australisches Festland erreichen, um Asyl beantragen zu können. Howard stellt sich noch in diesem Jahr zur Wiederwahl. Seine harte Linie hat ihm in Australien zu Spitzenwerten bei Umfragen verholfen, vom Ausland wird er hingegen stark kritisiert. Derzeit steht aber noch das Urteil eines australischen Bundesrichters aus, der entscheidet, ob die Regierung von John Howard legal gehandelt hat. Der Richter könnte erlassen, dass Australien die abgewiesenen Flüchtlinge doch noch selbst aufnehmen muss.

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