Nazi-Mode : Ladenschluss für Rechtsradikale

Klagen bringen die bei Neonazis beliebte Modemarke „Thor Steinar“ in Bedrängnis. Neuerdings ist auch eine Kollektion für Kinder im Programm.

Hannes Heine
Thor Steinar-Kleidung
Thor-Steinar-Pullover: Die Marke ist bei Neonazis äußerst beliebt. -Foto: dpa

Berlin - An Geld mangelt es nicht. Während Richter, Politiker und militante Linke mit Urteilen, Kampagnen und Anschlägen gegen „Thor Steinar“ vorgehen, baute der Chef der rechten Modemarke im grünen Süden Berlins gerade eine 650-Quadratmeter-Villa. So wird Uwe Meusel aus Königs Wusterhausen kaum verarmen, wenn das Berliner Landgericht am Dienstag der Räumungsklage gegen seinen Laden „Tønsberg“ stattgeben sollte. Das „Thor Steinar“-Geschäft in Berlin-Mitte war erst zu Jahresanfang eröffnet worden. Man sei getäuscht worden, teilten die Vermieter der Firma Impala mit, weil verschwiegen worden sei, dass in dem Laden die bei Neonazis beliebten Pullover, Jacken und Hemden von „Thor Steinar“ verkauft werden. Vor gut einem Jahr erst hatte „Tønsberg“ seinen Berliner Standort wechseln müssen: Aus dem Carré am Alexanderplatz war der Laden nach Protesten vertrieben worden.

Ebenfalls in dieser Woche, am Donnerstag, will das Landgericht Leipzig über die Räumung des dortigen „Thor Steinar“-Ladens entscheiden. Meusel habe das Warenangebot seiner Firma bis zur Eröffnung des Geschäfts im September 2007 geheim gehalten, sagen die Vermieter. Immer wieder protestierten Antifa-Gruppen vor dem Laden. In Magdeburg residiert die Firma zwar noch im dortigen Hundertwasserhaus, eine Räumungsklage wird aber auch dort verhandelt. Für „Thor Steinar“ sehe es schlecht aus, sagen Juristen. Viele Fußballvereine und der Bundestag haben das Tragen der Marke in ihren Räumen verboten. „Thor Steinar“ dient als Erkennungszeichen unter Rechtsextremen, warnen Verfassungsschützer. Seit April gibt es eine eigene Kinderkollektion.

Erst am vergangenen Freitag hatten sich „Thor Steinar“ und die HSH Nordbank darauf geeinigt, den vor gut zwei Wochen eröffneten Laden „Brevik“ in der Hamburger Innenstadt zu schließen. Die Vermieter von der Nordbank teilten mit: Wegen der „prekären Sicherheitslage in der Umgebung des Ladengeschäfts“ habe man sich außergerichtlich auf eine Auflösung des Mietvertrags geeinigt. Die Polizei musste das neueste „Thor Steinar“-Geschäft seit der Eröffnung permanent vor Ausschreitungen schützen.

Doch nicht nur Antifa-Gruppen machen „Thor Steinar“-Chef Meusel das Leben schwer. Das Land Norwegen hatte die Firma zu Jahresanfang wegen „widerrechtlicher Verwendung staatlicher Hoheitszeichen“ angezeigt. Damit will Oslo verhindern, dass die bei Neonazis beliebte Marke weiterhin die norwegische Flagge auf ihre Textilien druckt. Nach dem deutschen Markengesetz dürfen Staatssymbole nicht zur Kennzeichnung von Waren benutzt werden. „Wir wollen, dass unsere Staatsflagge, als Symbol des demokratischen Norwegens, nicht in Verbindung mit Rechtsextremen gebracht wird“, sagte damals der Gesandte Norwegens in Berlin, Andreas Gaarder. „Thor Steinar“ will künftig auf die norwegische Fahne verzichten.

Schon 2004 hatten brandenburgische Staatsanwaltschaften Kleidungsstücke der Marke beschlagnahmen lassen – wegen Verdachts der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Die Runen ähnelten Nazi-Symbolen, hieß es. Das neue Markenlogo wird von Gerichten als „strafrechtlich unerheblich“ erachtet.

Seit 2002 ist „Thor Steinar“ bei den Behörden als Marke registriert. Wie viel Geld man mit rechter Mode verdient, wollte die Firma nicht mitteilen.

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