Neben Verhandlungen mit Russland : USA beginnen Aufrüstung syrischer Rebellen

Berichten zufolge schickt das CIA leichte Waffen, Kommunikationsgeräte und medizinische Ausrüstung nach Syrien. Machthaber Assad fordert ein Ende der Drohpolitik.

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Unterstützung aus Amerika. Die Rebellen fordern seit langem militärische Hilfe des Westens, um sich gegen die Truppen von Baschar al Assad zu wehren.
Unterstützung aus Amerika. Die Rebellen fordern seit langem militärische Hilfe des Westens, um sich gegen die Truppen von Baschar...Foto: REUTERS

Während seit Donnerstag in Genf die Außenminister der USA und Russlands um einen diplomatischen Weg für die Lösung der Syrienkrise ringen, kämpfen im Land selbst Regierungstruppen und Rebellen mit unverminderter Härte weiter gegeneinander. Zwei Tage nachdem US-Präsident Barack Obama einen militärischen Angriff auf Stellungen des Assad-Regimes als vorerst verschoben angekündigt hatte, wurde zudem bekannt, dass Waffen aus den USA offenbar Syrien erreicht haben. Amerika hat demnach effektiv damit begonnen, die syrischen Rebellen aufzurüsten.

Im Verlauf der vergangenen beiden Wochen seien durch die CIA leichte Waffen und Munition ins Land geschleust worden, berichtet die „Washington Post“ unter Berufung auf US-amerikanische Stellen und Quellen in Syrien. Außerdem habe das US-Außenministerium den Gegnern des Assad-Regimes Fahrzeuge und anderes technisches Gerät wie hochentwickelte Kommunikationsausstattung und auch medizinische Ausrüstung geliefert. Das „Wall Street Journal“, das ebenfalls über Waffenlieferungen berichtet, beruft sich dabei auf den Sprecher der syrischen Oppositionskoalition, Khalid Saleh, der die Lieferung bestätigt.

Syriens Staatschef Baschar al Assad hat die USA daraufhin aufgefordert, die Bewaffnung der syrischen Rebellen zu beenden. Wenn die USA ihre „Politik der Drohungen“ einstelle, sei Syrien bereit, den eingeschlagenen Prozess mitzugehen, sagte Assad am Donnerstag im russischen Fernsehen.

Die US-Regierung hatte bereits im Juni eine Aufstockung der Hilfe für die Rebellen beschlossen. Die Lage im Kriegsgebiet ebenso wie die Befürchtung, die Waffen könnten in die Hände islamistischer Gruppen fallen, hatten die Lieferung jedoch verzögert. Den Berichten zufolge gelangt die Ausrüstung über ein Netz geheimer Basen in der Türkei und Jordanien nach Syrien. Die US-Hilfe soll moderaten Assad-Gegnern zu mehr militärischer Schlagkraft verhelfen und so vor allem deren Führungsstellung unter den Rebellen stärken.

Zugleich unterstützen US-Agenten auch den Aufbau kommunaler Strukturen in Syrien, um moderate Kräfte in Position zu bringen. Angesichts der Tatsache, dass extremistische Gruppen wie die Al-Nusra-Front ihrerseits in von Rebellen kontrollierten Gebieten die lokale Infrastruktur (beispielsweise Feuerwehr, Müllabfuhr oder medizinische Versorgung) organisieren, arbeitet die CIA so an einem Gegengewicht für ein eventuelles Nachbürgerkriegs-Szenario.

Nach dem Umschwenken der USA weg von einem sofortigen Militäreingriff erwarten Experten nun allerdings intensive Kämpfe im syrischen Bürgerkrieg. Das renommierte Internationale Institut für strategische Studien (IISS) rechnet mit einer Zuspitzung für die kommenden Wochen. „Unter den Rebellen herrscht ein starkes Gefühl der Mutlosigkeit und Verlassenheit“, sagte IISS-Nahostexperte Emile Hokayem in London bei der Vorstellung des Jahresberichts „Strategic Survey“ zur weltweiten Konfliktlage. Das Regime werde sich diese Passivität seiner Gegner zunutze machen. Der Einsatz von Giftgas dürfte zurückgehen: „Assad weiß, dass er langfristig nicht auf chemische Waffen setzen kann.“

Auf der Flucht
Das ist Leben gerettet, aber es bleibt ein Kampf: Ein syrisches Kind im Flüchtlingscamp Al Zaatri in der jordanischen Stadt Mafraq.Weitere Bilder anzeigen
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11.09.2013 11:11Das ist Leben gerettet, aber es bleibt ein Kampf: Ein syrisches Kind im Flüchtlingscamp Al Zaatri in der jordanischen Stadt...

Regimegegner meldeten unterdessen Luftangriffe und Gefechte in zehn Provinzen. Die Al-Nusra-Front tötete nach unbestätigten Berichten in einem Dorf der Provinz Homs zwölf Angehörige der alawitischen Minderheit. Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter meldete, Kämpfer der sunnitischen Front seien in das Dorf Makser al Hosan eingedrungen und hätten Zivilisten getötet, bevor sie von den Regierungstruppen wieder vertrieben worden seien. (mit dpa)

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