Nebensachen aus Paris (5) : Echt eklig – so schmeckt schlechte Luft

Smogtasting ist ein Kunstprojekt, das Luftverschmutzung sinnlich erlebbar macht. Im Musée de l'Homme konnte man die Smogbaisers kosten. Bei der gleichen Veranstaltung fordert Solarflugpionier Bertrand Piccard den Umstieg auf saubere Technologien für mehr Lebensqualität.

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Apparatur zum Backen von Baisers in Smogluft - Gabriel Harp ist einer der beteiligten Künstler. Im Hintergrund der Eiffelturm
Apparatur zum Backen von Baisers in Smogluft - Gabriel Harp ist einer der beteiligten Künstler. Im Hintergrund der EiffelturmFoto: Susanne Ehlerding

Schlechte Luft ist ein Problem für Millionen Menschen überall auf der Welt.

Für Deutsche, die an Hauptverkehrsstraßen wohnen – die Grenzwerte für Stickoxide werden dort immer wieder überschritten. Für Frauen in der dritten Welt, die den giftigen Rauch ihrer Holzöfen einatmen – jedes Jahr sterben laut Weltgesundheitsorganisation deshalb 4,3 Millionen von ihnen vorzeitig. Und für Chinesen, die vor lauter Smog keine Sonne mehr sehen. Die schlechte Luftqualität in den chinesischen Städten ist einer der Hauptgründe für den Kursschwenk der Regierung Richtung erneuerbare Energien.

Mit Gummihandschuhen in der Smogkammer: Nicola Twilley demonstriert, wie sie den Eischnee zubereitet.
Mit Gummihandschuhen in der Smogkammer: Nicola Twilley demonstriert, wie sie den Eischnee zubereitet.Foto: Susanne Ehlerding

Wie schlecht die Luft ist, kann man oft nicht sehen oder riechen. Aber man kann es schmecken. Jedenfalls während der Klimakonferenz in Paris. Bei einer Veranstaltung zu erneuerbaren Energien im Musée de l'Homme haben die beiden Künstler Nicola Twilley und Gabriel Harp eine Apparatur aufgebaut, die es möglich macht. Nach einer Methode, die sie zusammen mit dem Institut für Umweltforschung und Technologie der Universität von Kalifornien Riverside entwickelt haben.

Der Smog wird in Baisers eingebacken

Feinstaub und Stickoxide, Ruß, Schwefel und Kohlenwasserstoffe werden mit UV-Licht bestrahlt und so zum Qualmen gebracht. Immerhin: Blei und Quecksilber wird nicht verwendet, das wäre zu gefährlich. In den Abgasen von Kohlekraftwerken sind sie natürlich in relevanten Mengen drin.

Gesichter der Klimakonferenz in Paris
Die Guardian Angels, eine Aktionsgruppe aus Australien, fordern den Ausstieg aus der Kohle.Weitere Bilder anzeigen
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12.12.2015 14:10Die Guardian Angels, eine Aktionsgruppe aus Australien, fordern den Ausstieg aus der Kohle.

In der Smogkammer schlagen die Künstler dann feinen Eischnee. Er enthält zu 90 Prozent Luft, oder besser gesagt Smog. Daraus backen sie kleine Baisers. Erst im Mund entweicht der Smog wieder – und schmeckt scheußlich.

Den ekligen Geschmack hat man noch stundenlang im Mund. Er erinnert daran, wie wichtig es wäre, auf saubere Technologien umzusteigen. Nicht nur fürs Klima, sondern auch für die Gesundheit der Menschen.

Ein Visionär und Menschenfänger: Bertrand Picard, der Solarflieger.
Ein Visionär und Menschenfänger: Bertrand Picard, der Solarflieger.Foto: Susanne Ehlerding

„Seit weniger als zehn Jahren haben wir diese Technologien“, sagte der Solarflieger Bertrand Piccard. In diesem Zeitraum jedenfalls sind sie sehr viel preiswerter geworden und in vielen Ländern inzwischen genauso kostengünstig wie fossile Brennstoffe. „Der Umweltgedanke ist keine Philosophie. Er ist die einzige Art zu leben“, sagte Piccard in seiner flammenden Ansprache. Er hatte dieses Jahr mit einem nur durch Solarkraft betriebenen Flugzeug die Welt umrundet. „Mit der Bewegung für die Erneuerbaren erobern wir Lebensqualität. In dieser Hinsicht sind wir alle Kundschafter“, sagte Piccard.

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