Neckarwestheim I und II : Geologe: "Meiler im Südwesten nicht sicher"

Die beiden Atomkraftwerke in Neckarwestheim sind nach Auffassung von Wissenschaftlern bei einem Erdbeben nicht sicher. Der Stuttgarter Geologe Hermann Behmel warnt schon seit vielen Jahren vor der porösen Beschaffenheit des Untergrunds.

Hans Georg Frank

Stuttgart - Bereits im November 1998 schlug Behmel Alarm, weil offenbar eine Gipsschicht durch Grundwasser ausgelaugt wird, wodurch Hohlräume entstünden, die spontan zusammenstürzen könnten: „Jetzt ist Gefahr im Verzug.“ Bestätigt sah sich Behmel im November 2002, als sich 4,5 Kilometer von den Reaktoren entfernt plötzlich ein 18 Meter tiefes Loch auftat, das mit 400 Kubikmeter Material gefüllt werden musste. „Die Betriebssicherheit der Kernkraftwerke Neckarwestheim ist durch den labilen Untergrund akut gefährdet“, erklärte seinerzeit der Bund der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar.

Auf dem Areal in einem früheren Steinbruch am Neckar ist der riesige Kühlturm um rund 40 Zentimeter abgesackt. Die Sicherungsmaßnahmen zur Stabilisierung des Kolossses hatten über zehn Millionen Euro gekostet. Geologische Auffälligkeiten gab es auch beim Bau des atomaren Zwischenlagers, als Bohrlöcher zusammenbrachen. Der Geophysiker Gerhard Jentzsch von der Friedrich-Schiller-Universität in Jena sah die Standsicherheit gefährdet. Er entdeckte „vertikale Klüfte und vielfache Brüche“. Bei einer Erschütterung könne ein derart poröser Boden so in Schwingungen geraten, dass das unterirdische Lager dieser Belastung nicht standhalten könnte.

In der Beschreibung des Interimslagers geht die EnBW als Betreiberin der Atomkraftwerke auch auf die seismischen Verhältnisse ein. Demnach entspreche „die nach wissenschaftlichen Erkenntnissen höchste Intensität am Standort“ der Stufe 8 auf der sogenannten „Medvedev-Sponheuer-Karnik-Skala“. Dies würde bedeuten: „Große Risse im Mauerwerk, Giebelteile und Dachsimse stürzen ein.“ Die EnBW hat alle Zweifel an der Eignung des Geländes stets vehement zurückgewiesen. „Die Erdbebensicherheit des Standortes wurde in zahlreichen Gutachten belegt“, wurde immer wieder betont. Es gebe auch „hinreichende Stellungnahmen der diversen Ministerien“, hielt die Geschäftsleitung den Kritikern entgegen.

Der Rheingraben, die Gegend von Neckarwestheim, ist Deutschlands aktivstes Erdbebengebiet, freilich ohne dass dort Werte wie in Japan erreicht werden. Dort stehen auch die Atomkraftwerke Philippsburg, Biblis und der französische Reaktor Fessenheim.

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