Politik : Nein soll jetzt auch in China Nein heißen

-

Der Große Vorsitzende hatte seine eigene Art der Körperhygiene. „Ich wasche mich in meinen Frauen“, erklärte Mao Zedong einst seinem Leibarzt. Bis ins hohe Alter ließ der Revolutionär sich von seinen Untergebenen junge Frauen zuführen, meistens Tänzerinnen, um sie zu missbrauchen. Sexuelle Nötigung von Frauen und Belästigung war in der Volksrepublik lange ein Kavaliersdelikt.

Das soll sich nun ändern. Ein Gesetzentwurf, über den derzeit der zuständige Ausschuss des Volkskongresses berät, soll sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz strafbar machen. „Niemand darf Frauen sexuell belästigen. Alle Arbeitseinheiten sollen Maßnahmen gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ergreifen“, zitiert die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua aus dem Entwurf.

Schätzungen zufolge werden jedes Jahr Hunderttausende Frauen in China sexuell belästigt oder genötigt – meistens am Arbeitsplatz. Bedienungen in Hotels und KaraokeKlubs müssen sich gegen grabschende Männerhände wehren. In Büros und Fabriken fordern Chefs von ihren weiblichen Angestellten Sex als Gegenleistung für Beförderungen. Einer älteren Studie der Akademie für Sozialwissenschaften zufolge wurden 40 Prozent der weiblichen Angestellten von Privatbetrieben schon einmal sexuell am Arbeitsplatz belästigt. Bei Staatsbetrieben lag die Quote bei 18 Prozent.

Ironischerweise war es Mao, der mit dem Spruch „Frauen tragen die Hälfte des Himmels“ 1949 erstmals in China Frauen zu gleichberechtigten Bürgern machte. Die Kommunisten verboten die schmerzhafte Fußbinde-Tradition. „Genossinnen“ übernahmen bis dahin typische Männerberufe wie Fabrikarbeiter, Ingenieur oder Pilot. Mit der wirtschaftlichen Öffnung Anfang der 80er Jahre verschlechterte sich die Lage wieder. Viele Chinesinnen müssen sich heute aus Armut prostituieren. Andere erdulden aus Angst um den Arbeitsplatz sexuelle Übergriffe. Experten bezweifeln deshalb, dass mit dem Gesetz Abhilfe tatsächlich geschaffen wird.

0 Kommentare

Neuester Kommentar