Politik : Nein

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Politik hat damit etwas zu tun, was man will, sich wünscht, machen muss, kann – und was man werden will. Ohne Artikel über Absichten, Ziele, Zwänge, Möglichkeiten und Personalgerangel wäre die Zeitung ziemlich weiß. All diese Berichte aus dem Inneren der Macht folgen dem Prinzip des positiven Denkens. Eher selten hört man etwas darüber, was jemand nicht will, sich nicht wünscht, nicht tun muss, nicht kann – oder nicht werden will. Wenn man derlei hört, dann ist es meist die Reaktion auf die nicht unbegründete Vermutung, genau das Gegenteil sei wahr. „Jutta Limbach will nicht Bundespräsidentin werden“ würde nur in der Zeitung stehen, wenn der fundierte Verdacht besteht, die Ex-Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts wolle es eben doch – ins Schloss Bellevue einziehen. „Finnland will nicht in Nordkorea einmarschieren“ fällt nicht in diese Kategorie, da Finnland nicht wirklich im Verdacht steht, baldmöglichst Pjöngjang besetzen zu wollen. „Schröder will nicht nach Italien reisen“ ist nur deshalb eine Nachricht, weil der Kanzler eigentlich ja doch nach Italien will. Das mit der Negation ist also eine sehr schwierige Angelegenheit. Sinnvoll ist nur, zu behaupten, dass etwas nicht sei, von dem alle Welt annimmt, es sei eben doch so.

Petra Pau, eine der beiden PDS-Damen im Bundestag, hat uns jetzt eine Mitteilung geschickt. Kursiv steht über dem Text, dass Frau Pau uns etwas mitzuteilen habe. Dann folgt als Text: „Ich mache dieses Jahr keinen Urlaub in Italien. Ich hatte es auch nicht vor.“ Sie hatte es gar nicht vor? Sie hat gar nichts abgesagt? Warum teilt sie uns dies dann mit? Macht sie etwa einen Witz? Auf wessen Kosten? Schon verwirrend, die politische Negation.

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