Neonazi-Prozess : "Sturm 34"-Mitglied offenbart sich als Informant

Im Prozess gegen die verbotene rechtsextreme Kameradschaft "Sturm 34" hat sich einer der Angeklagten als Informant zu erkennen gegeben. Bei einer Razzia in der rechtsextremen Szene im Oktober 2005 sei er auf die Polizisten zugegangen.

Dresden Der mutmaßliche Polizei-Informant sagte in dem Prozess vor dem Landgericht Dresden am Freitag umfangreich aus. Er habe bei einer Razzia in der rechtsextremen Szene im Oktober 2005 von sich aus einen Polizisten angesprochen, sagte der 40-Jährige. Vier Wochen später habe er eine Vorladung bekommen und bei der Staatsschutzabteilung der Chemnitzer Polizei zwei Erklärungen unterschrieben, davon eine Verpflichtung zur Verschwiegenheit und eine, dass er als Informant keine Straftaten begehe.

Er sei durch "Zufall" über einen Bekannten zur Kameradschaft gekommen, sagte der 40-Jährige. Erst bei der Razzia sei ihm klargeworden, dass sich die Gruppierung in eine Richtung entwickle, die für ihn "nicht mehr hinnehmbar" war und die in Gewalt ausarte. Bei der Gründung von "Sturm 34" Anfang März sei er dabei gewesen. Nach seinen Angaben war auch der Staatsschutz einige Wochen vorher darüber informiert.

Fotos von Überfall

In seiner Tätigkeit als Informant habe er zahlreiche Fotos von den Veranstaltungen und von einem Überfall gemacht. Als Gegenleistung habe er Handykarten und etwa 1000 Euro bekommen. Nach bisherigen Angaben der Staatsanwaltschaft im Prozess war Matthias R. erst nach der Gründung von "Sturm 34" auf die Ermittler zugegangen. Matthias R. hat nach eigenen Angaben seit Juli 2006 nicht mehr für die Polizei als Informant gearbeitet, die Aufnahme in ein Zeugenschutzprogramm aber abgelehnt.

Zu Beginn des zweiten Prozesstages hatte der Vorsitzende Richter Martin Schultze-Griebler es einen "ausgesprochen schlechten Stil" genannt, dass der 40-jährige Matthias R. in einem Zeitungsinterview detaillierte Angaben zu seiner vermeintlichen Tätigkeit für den Staatsschutz der Chemnitzer Polizei gemacht hatte, bevor er sich im Prozess selbst geäußert habe.

R. muss sich seit Donnerstag gemeinsam mit vier Mitangeklagten im Alter von 19, 20, 21 und 22 Jahren wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung, Körperverletzung, Landfriedensbruch und Volksverhetzung verantworten. Matthias R. sitzt seit Juli 2007 eine zweijährige Freiheitsstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung ab. Die Kameradschaft war im April 2007 von Sachsens Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) verboten worden. (küs/ddp)

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