Neonazi-Überfall : Polizei ließ Täter stehen

Nach dem brutalen Überfall von Rechtsradikalen auf eine Theatergruppe in Halberstadt mehrt sich Kritik an der Polizei. Die Beamten hätten sich zu lang mit Personalien befasst, anstatt die noch anwesenden Täter zu stellen.

HalberstadtNach dem brutalen Überfall auf eine Theatergruppe in Halberstadt in Sachsen-Anhalt ist der 22 Jahre alte Hauptverdächtige am Sonntagabend festgenommen worden. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, soll bis Montagmittag entschieden werden, ob gegen den Mann Haftbefehl wegen Körperverletzung beantragt wird.

Die 14 Mitglieder des Theaterensembles "Nordharzer Städtebundtheater" waren am frühen Samstagmorgen nach einer Premierenfeier auf offener Straße ohne erkennbaren Grund von Rechtsradikalen angegriffen worden. Dabei wurden fünf Schauspieler erheblich verletzt. Die Opfer im Alter von 19 bis 32 Jahren erlitten Rippen- und Kieferverletzungen, Nasenbeinbrüche und Augenverletzungen.

Fahndung nach sieben Schlägern

Die Polizei steht stark in der Kritik. Die Opfer werfen den Beamten vor, sich zu lang mit ihren Personalien befasst zu haben, statt die noch anwesenden Täter zu stellen. Sie wollen eine Dienstaufsichtsbeschwerde einreichen. Nach den sieben übrigen Schlägern wird weiterhin gefahndet.

Sachsen-Anhalts Innenministerium hatte Fehler bei dem Polizeieinsatz eingeräumt. Innenstaatssekretär Rüdiger Erben (SPD) sprach in der "Mitteldeutschen Zeitung" von einem eindeutigen "Fehlverhalten". Der mutmaßliche Schläger "hätte sofort festgenommen werden müssen". Die Halberstädter Polizei will sich im Laufe des Tages zu den Vorwürfen äußern. Das Motiv für den Überfall war zunächst weiter unklar. (mit AFP und dpa)

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