Neonazi Zelle : Mutmaßlicher NSU-Helfer auf freiem Fuß

Der Bundesgerichtshof hat den Haftbefehl gegen einen mutmaßlichen Unterstützer der Neonazi-Zelle Nationalsozialistischer Untergrund aufgehoben. Er soll der NSU eine Pistole besorgt haben.

Archivaufnahme: Der mutmaßliche Rechtsextremist Holger Gerlach wird in Karlsruhe auf dem Gelände des Bundesgerichtshofes (BGH) von Polizeibeamten der Polizei aus einem Hubschrauber geführt.
Archivaufnahme: Der mutmaßliche Rechtsextremist Holger Gerlach wird in Karlsruhe auf dem Gelände des Bundesgerichtshofes (BGH) von...Foto: dapd

Der Bundesgerichtshof hat den Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Terrorhelfer Holger G. aufgehoben. Es gebe keinen dringenden Tatverdacht, dass er die Vereinigung „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) unterstützt habe, entschied der Strafsenat am Freitag in Karlsruhe (AK 14/12).

G. wird unter anderem vorgeworfen, der NSU eine Pistole besorgt zu haben. Außerdem soll er den mutmaßlichen Terroristen seinen Führerschein und seinen Reisepass zur Verfügung gestellt haben. Er war am 13. November 2011 als erster mutmaßlicher Unterstützer des Terror-Trios in der Nähe von Hannover festgenommen worden.

Video
Frank Jansen: Die braune Gefahr
Frank Jansen: Die braune Gefahr

Die Anklage hatte die von Holger G. im Jahr 2001 oder 2002 besorgte Waffe als Beihilfe für die spätere Überfälle und Morde der Terrorgruppe gewertet. Dafür sieht der Strafsenat „keine tragfähigen Anhaltspunkte“. Die Waffe habe nach bisherigen Erkenntnissen bei keiner der Taten eine Rolle gespielt. Nach Ansicht der Richter hat die Übergabe der Pistole die Vorhaben der NSU in keiner Weise „erleichtert oder gefördert“

Die Richter halten es auch für wenig wahrscheinlich, dass Holger G. in die Planung der Morde und Banküberfälle einbezogen war. „Die Gruppierung habe sich bei der Planung und bei der Durchführung ihrer Anschläge streng abgeschottet und, für eine terroristische Vereinigung ungewöhnlich, auch über mehr als zehn Jahre davon abgesehen, sich zu ihren Taten zu bekennen“, heißt es in der Entscheidung. Deshalb sei der Aussage von Holger G. Glauben zu schenken, dass er mit den Mordanschlägen nicht gerechnet habe. (dpa)

» Mehr Politik? Tagesspiegel lesen + 50 % sparen!

4 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben