Politik : Netanjahu: Erst Sieg, dann Frieden

NAME

Von Martin Gehlen

Netanjahu nannte Arafat den palästinensischen Saddam Hussein und erklärte, er sehe „gewisse Ähnlichkeiten" zwischen dem PLO-Chef und Hitler. „Beide sind kompromisslos gewalttätig und haben ihre Ziele mit allen Mitteln zu erreichen versucht." Nach Ansicht Netanjahus ist es nur eine Frage der Zeit, bis einige der islamischen Diktaturen in den Besitz von Atomwaffen kommen. „Sie werden die Atomwaffen nutzen, ganz sicher gegen Israel, aber auch gegen New York, Washington, London und Berlin." Netanjahu ließ offen, ob sein Land im Falle eines irakischen Angriffes mit Atomwaffen antworten werde: „Ich kann nicht für unsere Regierung sprechen. Aber ich bin sicher, dass Israel dem Irak eine angemessene Antwort geben wird."

Nach Netanjahus Ansicht darf ein Palästinenserstaat bestimmte international übliche Hoheitsrechte nicht in die Hand bekommen. Dazu zählte der israelische Politiker das Recht, eine Armee aufzustellen, Militärbündnisse zu schließen, den Luftraum und die Wasserreserven zu kontrollieren. „Wir wollen komplette Selbstbestimmung für die Palästinenser. Sie sollen eine eigene Regierung haben, eigene Pässe, eine eigene Fahne – alles. Wir wollen die Palästinenser nicht regieren. Wir wollen nicht ihr Leben kontrollieren und in ihren Städten bleiben", sagte Netanjahu. „Aber sie sollen nicht Hoheitsrechte zugesprochen bekommen, die die Existenz Israels gefährden könnten. Das müsse Israel vor Beginn aller Friedensverhandlungen klarstellen.

Daniel Barenboim, der Chefdirigent der Berliner Staatsoper, hat der Auffassung widersprochen, die Krise in Nahost sei mit Gewalt zu lösen. Am Rande der Spielplanpressekonferenz sagte der Israeli Barenboim: „Es gibt keine militärische Lösung, weder für die Palästinenser noch für Israel.“ Er forderte alle Juden, die außerhalb des Landes lebten, zum Engagement für eine Annäherung auf: „Jeder von uns, der etwas Unpolitisches machen kann, muss es jetzt tun.“ Barenboim will im Spätsommer wieder einen Workshop mit jungen arabischen und israelischen Musikern veranstalten.

Die israelische Armee rückte am Samstagabend mit Panzern in die Stadt Bethlehem ein. Grund des Vorrückens sei die Suche nach Palästinensern, nach denen gefahndet werde, teilte die Armee mit. Zuvor hatte sie sich aus Tulkarem im Westjordanland zurückgezogen, wo sie tags zuvor nach einem Selbstmordanschlag in Tel Aviv eingerückt war. Bei Feuergefechten wurden ein israelischer Reservesoldat getötet und zwei weitere verletzt. Auf palästinensischer Seite gab es mindestens elf Verletzte. Der Gründer der radikal-islamischen Hamas-Bewegung, Scheich Ahmed Jassin, kündigte weitere Anschläge an.

INTERVIEW SEITE 8

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben