Netzschau zum Bundesparteitag : "Das ist kalt. Das ist AfD"

Wer ist die AfD wirklich und was will sie? Alte Männer, die immer Recht haben wollen? Oder doch nur ein großes Missverständnis? Wir haben die Resonanz auf den Bundesparteitag für Sie ausgewertet.

Deborah Schaper
Auf dem Parteitag der AfD: Bernd Lucke
Nach dem Parteitag der AfD: Kann Parteichef Bernd Lucke einpacken?Foto: dpa

Dass man über die "Alternative für Deutschland" kontrovers diskutiert, ist nichts Neues. Die Meinung über Bernd Lucke und seine geläuterte Jüngerschaft bleibt unverändert - nur der Tonfall hat sich verschärft.

Was ist die Alternative für Deutschland eigentlich für eine Partei?

In der „Lausitzer Rundschau“ liest man eine klare Antwort auf diese Frage: "Alte Männer, die immer Recht haben wollen. (...) Das ist keine neue politische Säule wie die aus Ökologie, Pazifismus und Antiatom-Protest erwachsenen Grünen. Das ist auch keine rechtsradikale Sammlungsbewegung. Das ist einfach ein Haufen enttäuschter Bürgerlicher."

Auch unser Autor Fabian Leber warnt: "Der Wähler der AfD denkt im Allgemeinen in kleineren Räumen als andere Bürger - trotzdem wäre es ein Fehler, ihm zuallererst Engstirnigkeit vorzuwerfen."

Vernichtendes öffentliches Urteil für Bernd Lucke

Die „Augsburger Allgemeine“ geht den Parteichef persönlich an: "Geht's noch, Herr Lucke? Wenn die Alternative für Deutschland eine schlechte Presse hat, liegt das nicht am Mainstream in den Medien, über den sich ihr Anführer beklagt, sondern an ihm selbst. Bernd Luckes Medienschelte soll nur davon ablenken, dass er sich grandios verkalkuliert hat. So bedingungslos loyal, wie er gedacht hat, steht die AfD offenbar gar nicht hinter ihm."

Kleinere Parteien wie die AfD haben es heutzutage schwer

Bei den Nürnberger Nachrichten verweist man auf den entscheidenden Unterschied zwischen Grünen und AfD. Den "Prozess der Selbstfindung (...) erfolgreich zu gestalten, ist in der Geschichte der Bundesrepublik nur den Grünen gelungen. Sie (...) hatten den Vorteil, dass es in ihren Anfangsjahren kein Internet gab, das jede Boshaftigkeit festhält und weitergibt. Diese Gnade des Vergessens gibt es heute nicht mehr - deshalb haben es kleine Parteien wie die AfD auch deutlich schwerer."

Die Lösung der Alternative für Deutschland ist aus der Zeit gefallen

Für die „Volksstimme“ aus Magdeburg ist unabhängig von innerparteilichen Querelen die "Alternative" der AfD aus der Zeit gefallen: "Sie heißt: teile und verliere. Denn sie führt letztlich zur nationalstaatlichen Zersplitterung und damit zur weltpolitischen Bedeutungslosigkeit. Nicht zu reden von den schlimmen historischen Erfahrungen eines uneinigen Europas."

Die AfD - kalt, ohne den Blick auf die Menschen

Reporter der Süddeutschen Zeitung veranschaulichen am Beispiel Krim-Krise ihre Bedenken zum technokratischen Wesen der Alternative für Deutschland: "Die Partei tut so, als gebe es keine menschliche Komponente in der Politik, sie verzichtet technokratisch auf Empathie und Einfühlung. (...) Es geht um Berechnung, um Nützlichkeit. (...) Redner zeigten großes Verständnis für Präsident Wladimir Putin. Ausgiebig wurde das Machtgefüge analysiert und vor einem neuen Kalten Krieg gewarnt. Dass in der Ukraine Menschen um ihre Freiheit bangen, spielte für die wenigsten eine Rolle. Das ist kalt, ohne den Blick auf die Menschen. Das ist AfD."

Wo bleiben denn da die liberalen Werte?

Auch für die "Wetzlarer Neue Zeitung" bleibt unerklärlich, "dass jetzt auch aus der Parteispitze der Alternative für Deutschland Verständnis für Wladimir Putin kommt. Hatte die Partei bislang doch eher liberale Werte beschworen. Was Putins Unterwerfung der Krim mit freiheitlicher Gesinnung zu tun hat, ist ebenso schwer erklärbar wie der pazifistische Charakter des russischen Militäreinsatzes."

Das Netz zwitschert- und es ist kein Frühlingskonzert

Gewohnt humoristisch geht es bei Schauspieler Christian Ulmen zu. Der hat den Mitgliedsantrag des Barons von Eich abgefangen. Ob ihm die AfD wohl hätte weiterhelfen können?

Der Reporter Klaus Schrage kann Luckes Empörung nicht verstehen: "Dieser #AfD-#Lucke beschwert sich über die Medien, Ausgerechnet. Ohne die Medien wäre seine Partei nie so groß geworden."

Das Mitglied der Piraten Alexander Brăteanu hat eine fragwürdige Überschneidung bemerkt: Die "AfD", schreibt er, bezeichne sich selbst als "Partei neuen Typs. Kam mir letztens so ähnlich mal unter also bei Wikipedia nachgeguckt"

Die Bloggerin Ada Blitzkrieg stellt eine eher ungewöhnliche Frage in den virtuellen Raum: "Ob Bernd Lucke im Auto auf einem Kindersitz fährt?"

Aber vielleicht ist das alles ohnehin ein großes Missverständnis: Blogger Ahoi Polloi wundert sich, "dass die Leute dem Wallraff die Maskerade immer noch abkaufen." (dpa/afp/tsp)

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