Politik : Neue Angriffe der Clintons auf Obama

Jetzt bezweifeln sie seinen Patriotismus

Christoph von Marschall[Washington]

Die Präsidentschaftsbewerber der Demokraten haben auch zum Ende der Karwoche negative Schlagzeilen produziert, für die sie schon seit Tagen sorgen. Bill Clinton stellte bei einem Wahlkampfauftritt für seine Frau Hillary den Patriotismus des führenden Kandidaten Barack Obama infrage. Daraufhin verglich ein Obama-Mitarbeiter, Ex-General Merrill McPeak, Clintons Methoden mit denen des Kommunistenjägers McCarthy in den 50er Jahren. US-Medien spekulieren nun, ob Obama sich von McPeak trennt. Er hat prominente Unterstützer gefeuert, die sich herabsetzend über die Clintons äußerten, um sein Bemühen um einen sauberen Wahlkampf zu unterstreichen.

Beide Clintons führen dagegen seit Wochen persönliche Angriffe auf Obama. Sie sprechen ihm die Eignung zum Oberbefehlshaber ab, versuchen ihn als rein „schwarzen Kandidaten“ zu porträtieren, der andere Bevölkerungsgruppen kaum erreiche, und stellen nun seine Vaterlandsliebe infrage. Die Strategie hat Clinton nicht genützt. Obama führt nach Delegierten, der Summe der für ihn abgegebenen Stimmen und der Zahl der gewonnenen Staaten. Kommentatoren warnen aber, auf die Dauer beschädige die Methode Obama und gefährde die Erfolgsaussichten der Demokraten bei der Hauptwahl im November, weil auch von falschen Vorwürfen „immer etwas hängen bleibt“.

Das Ansehen der Clintons leidet erkennbar. Bills Umfragewerte sind dramatisch gesunken. Am Freitag begründete New Mexikos Gouverneur Bill Richardson, ein Freund der Clintons, seine Unterstützung für Obama damit, dass Clintons negativer Stil der Partei schade. Indirekt forderte er Hillary auf, Obamas Führung anzuerkennen, sich zurückzuziehen und so „ein Signal der Einheit“ zu setzen.

Zuvor war bekannt geworden, dass externe Mitarbeiter des Außenministeriums unbefugt Einblick in die Passakten aller drei Präsidentschaftsbewerber genommen haben. Außenministerin Condoleezza Rice entschuldigte sich persönlich bei Obama, Clinton und dem Republikaner John McCain für die Verletzung des Datenschutzes und kündigte eine aufwendige Untersuchung an. Zwei Täter wurden entlassen. Eine Privatfirma betreut die Passakten im Auftrag des Ministeriums. Nach jetzigem Stand war Neugier das Motiv. Es wurden keine sensiblen Daten weitergegeben. Der elektronischen Akte kann man nur Basisinformationen wie Name, Geburtsdaten oder Sozialversicherungsnummer entnehmen. Sie enthalten keine Aufstellung der Auslandsreisen. Die Vorfälle kamen ans Licht, weil das Computersystem bei der Abfrage von Daten Prominenter Alarm gibt.

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