NEUE ATOMKRAFTWERKE IN DER SCHWEIZ? : Gegner hoffen auf einen Volksentscheid

In der Schweiz wollen Stromkonzerne neue Atomkraftwerke bauen. Den ersten Schritt macht die Firma Atel. Sie plant, einen modernen Leichtwasserreaktor für rund sieben Milliarden Franken (4,35 Milliarden Euro) zu errichten. Anfang der Woche reichte das private Unternehmen seinen Antrag für das Akw Gösgen II im Kanton Solothurn beim Schweizer Bundesamt für Energie ein. Akw-Gegner wollen ein Referendum erzwingen. Das Volk solle über die Genehmigung von Gösgen II entscheiden.

Zunächst müssen die Bundesregierung und das Parlament dem Projekt zustimmen. 2013 könnte das Volk seine Meinung zum Bau äußern. Sagen die Eidgenossen Ja, braucht Atel noch eine Betriebsbewilligung. Der erste Strom aus Gösgen II könnte 2025 an die Verbraucher fließen, kalkulieren die Atommanager. Gösgen II soll eine Leistung zwischen 1100 und 1600 Megawatt bringen. Zudem soll der moderne Meiler die Atmosphäre weniger belasten. Dank neuer Technologie werde die Wärme ohne Dampfschwaden aus dem 60 Meter hohen Kühlturm entweichen.

Auch die Energieversorger in öffentlicher Hand, Axpo und BKW, planen neue Atomkraftwerke. Beide Firmen wollen noch in diesem Jahr entsprechende Anträge stellen.

In der Schweiz sind fünf Atomkraftwerke am Netz. Sie liefern nach Angaben des Bundesamtes für Energie rund 39 Prozent der Stromproduktion. Mit Wasserkraft erzeugen die Eidgenossen rund 57 Prozent ihres Stroms. Die Atommeiler befinden sich im Nordwesten der Schweiz. Das 1984 in Betrieb genommene Leibstadt liegt unmittelbar an der Grenze zu Deutschland. Die vier anderen Akw, Beznau I und Beznau II, Gösgen I und Mühleberg stehen weiter im Landesinneren. Voraussichtlich im Jahr 2020 werden die drei ältesten Schweizer Meiler abgeschaltet. Zudem laufen bald Importverträge über Atomstrom mit Frankreich aus. Die befürchtete „Stromlücke“ soll auch durch neue Akw geschlossen werden. jdh

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