Neue Chefin bei Oxfam : Eine Uganderin für Afrikas Fortschritt

Die neue Oxfam-Chefin Winnie Byanyima will "aktive Zivilgesellschaften" fördern. "Es hat doch keinen Sinn von einem Erwachen Afrikas zu reden, wenn dabei Millionen Menschen zurückgelassen werden", sagt sie.

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Seit 1998 ist Winnie Byanyima mit dem ugandischen Oppositionspolitiker Kizza Besigye verheiratet. Trotzdem hat sie ihren gemeinsamen Sohn mehr oder weniger allein erzogen. Denn Besigye verbrachte Jahre im Exil und im Gefängnis. Byanyima sah wegen all der Versuche, sie an ihrer Arbeit als Parlamentarierin zu hindern, irgendwann keinen Sinn mehr darin, in der ugandischen Politik zu bleiben.
Seit 1998 ist Winnie Byanyima mit dem ugandischen Oppositionspolitiker Kizza Besigye verheiratet. Trotzdem hat sie ihren...Foto: Reuters

Winnie Byanyima hat noch nie getan, was von ihr erwartet wurde. Und sie war schon oft die Erste. Seit Mai ist sie die erste Chefin einer internationalen Hilfsorganisation, die aus dem globalen Süden kommt. Sie führt für fünf Jahre eine der ältesten und größten Entwicklungsorganisationen: Oxfam International. Ihr wichtigstes Ziel an der Spitze von Oxfam ist es, „mich für globale Gerechtigkeit einzusetzen“, sagte sie dem Tagesspiegel.

Byanyima ist die erste Luftfahrtingenieurin aus Uganda. Sie kämpfte an der Seite des heutigen Präsidenten und damaligen Rebellenführers Yoweri Museveni während des Guerillakrieges – und setzte ihm später fast zehn Jahre lang als Menschenrechtsverteidigerin im Parlament zu. Seit 1998 ist Byanyima mit Musevenis dreimaligem Gegenkandidaten bei Präsidentschaftswahlen, Kizza Besigye, verheiratet. Aus den Waffenbrüdern Museveni und Besigye sind erbitterte Feinde geworden. Winnie Byanyima, inzwischen Mutter eines Sohnes, hat Besigyes Kandidaturen seit 2001 unterstützt. Er war jahrelang im Exil oder im Gefängnis. Auch Winnie Byanyima wurde mehrfach festgenommen.

„Ich wäre wohl nicht hier, wenn ich in Uganda mehr politischen Spielraum gehabt hätte“, sagt Byanyima. 2004 habe sie kaum noch an Parlamentssitzungen teilnehmen können, weil sie sich vor mehreren Gerichten für aus Sicht der Regierung „Verfehlungen“ verteidigen musste. „Da habe ich mir überlegt, ob ich meine Zeit nicht besser verbringen kann“, sagt sie. Byanyima nahm ihren Sohn und ging zunächst zur Afrikanischen Union nach Addis Abeba. Zuletzt arbeitete sie in New York für das UN-Entwicklungsprogramm. Die bekannteste Feministin Ugandas war in beiden Organisationen dafür zuständig, Frauen eine gewichtige Stimme zu geben. Daran will sie auch bei Oxfam festhalten.

Dass nach Greenpeace, die den Südafrikaner Kumi Naidoo an die Spitze gewählt hat, nun auch erstmals eine große Hilfsorganisation von einer Afrikanerin geführt wird, markiert eine Zeitenwende auf Nicht-Regierungsseite. Oxfam soll vor allem in den Ländern, in denen die Organisation bisher geholfen hat, wachsen. Als Oxfams wichtigstes Ziel bezeichnet Byanyima jedoch, „aktive Gesellschaften“ zu fördern. Denn ohne die Teilhabe der Zivilgesellschaft könne eine Entwicklung nicht nachhaltig sein.

Byanyima kann in den Jubel über hohe Wachstumsraten vieler afrikanischer Länder nicht einstimmen, die diese Zahlen nur deshalb erreichen, „weil sie noch mehr Öl aus der Erde holen und nach China oder Indien oder sonst wohin bringen“. Für „mich ist das kein Zeichen von Fortschritt“, sagt sie. Die am schnellsten wachsenden Ressourcen getriebenen Ökonomien in Afrika hätten gleichzeitig auch die größte Zunahme an extremer Armut registriert, argumentiert Byanyima. „Es hat doch keinen Sinn von einem Erwachen Afrikas zu reden, wenn dabei Millionen Menschen zurückgelassen werden“, sagt sie.

Winnie Byanyima wünscht sich jedenfalls mehr Transparenz über Ressourcen-Verträge. In Afrika heiße es aber inzwischen: „Die Korruption ist doch transparent. Wir wissen, wer uns bestiehlt.“ Es gehe also auch um ein Ende der Straflosigkeit. Da hat sie sich einiges vorgenommen.

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