Politik : Neue Computer nach 30 Jahren

Schily stellt Inpol-neu vor / Gewerkschaft: Es hilft kaum bei Aufklärung von Verbrechen

Corinna Visser

Berlin . Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) hat am Donnerstag im Wiesbadener Bundeskriminalamt (BKA) das neue Polizei-Fahndungssystem „Inpol-neu“ vorgestellt. Das Computersystem verknüpft Datenbanken von BKA, Bundesgrenzschutz, Zoll und der Polizei der Länder miteinander. 270000 Polizisten können auf Inpol-neu zugreifen. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) nannte das neue System ein unverzichtbares Instrument zur Verbrechensbekämpfung, auf das die Polizei lange gewartet habe. Und sie hofft, dass die Pannenserie während der Einführungsphase nun ein Ende hat.

Bisher arbeitete die Polizei mit dem Informationssystem „Inpol aktuell“, das 1972 in Betrieb genommen worden war. Das Großrechnersystem läuft mit veralteter Hard- und Software und ist kompliziert und schulungsintensiv. Seit den 90er Jahren wurde an einem neuen System gearbeitet. Doch wenige Minuten nach Beginn des Testbetriebs von Inpol-neu im April 2001 brach das neu entwickelte System zusammen. Den Schaden durch die EDV-Pleite bezifferte der Bundesrechnungshof auf rund 60 Millionen Euro. „Das System sollte zu viele Anforderungen zugleich erfüllen, es war falsch konzeptioniert und völlig überfrachtet“, sagte Horst Müller, Gewerkschaftssekretär bei der GdP.

Das nun neu entwickelte Fahndungssystem Inpol-neu basiert auf „Polas“, einem System, dass sich in Hamburg und Hessen bereits bewährt hat. Inzwischen seien die Anforderungen auf das Erforderliche beschränkt worden, hieß es bei der GdP. Bei Inpol-neu komme nun Internettechnologie zum Einsatz. Es sei erheblich leichter zu bedienen und erfordere lediglich einen minimalen Schulungsaufwand. Schily verwies darauf, dass das bereits Mitte August in Betrieb genommene Inpol-neu noch kein abgeschlossenes System sei. Seine Architektur sei auf „sukzessive Erweiterung der Nutzungsmöglichkeiten ausgelegt“, sagte Schily. „Selbst Sherlock Holmes könnte heute auf sein akribisch geführtes Notizbuch verzichten.“ BKA-Chef Ulrich Kersten bezifferte die Gesamtkosten für die Einführung des Systems auf 75 Millionen Euro. Nach Angaben der GdP wird Inpol-neu erst 2005 bundesweit mit all seinen Möglichkeiten zu nutzen sein.

Zeigte sich die Gewerkschaft der Polizei noch „heilfroh, dass der erste Schritt getan wurde“, äußerte sich ihre Schwesterorganisation, die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG), deutlich distanzierter: Das „mit großem Brimborium“ vorgestellte neue Informationssystem sei ein in vielerlei Hinsicht mangelhaftes Instrument der Verbrechensaufklärung. DPolG-Chef Wolfgang Speck kritisierte, es gebe Abstimmungsprobleme zwischen Bund und Ländern. „Was nutzen die vielen gesammelten Daten, wenn sie in der Abfrage nicht miteinander verbunden werden können.“ Es müsse komplexere Recherche-Möglichkeiten geben. Ein echter Fortschritt wäre das, so Speck, was die Internetsuchmaschine Google anbiete.

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