Politik : Neue Debatte über Sterbehilfe in Italien

Paul Kreiner

Rom - Die Witwe des mit Hilfe eines Arztes gestorbenen italienischen Sterbehilfe-Vorkämpfers Piergiorgio Welby hat das Parlament in Rom aufgefordert, ein Gesetz zur Sterbehilfe zu verabschieden. Ministerpräsident Romano Prodi sagte: „Es ist klar, dass die einmal begonnene Debatte jetzt fortgeführt wird.“

Italiens Radikale Partei hatte dem Römer zum Tod verholfen. Am Mittwochabend verabschiedete sich Piergiorgio Welby von seiner Familie und seinen Unterstützern. „Er war immer schon ein großer Regisseur“, sagt seine Schwester Carla. „Er hat’s auch diesmal richtig gemacht.“ Welbys Witwe sagte sichtlich bewegt: „Seine Angst war, auf schreckliche Art sterben zu müssen, zu ersticken.“

Der Narkosearzt Mario Riccio spritzte dem Sechzigjährigen einen „Cocktail“ aus starken Beruhigungsmitteln; gleichzeitig stellte er das Beatmungsgerät ab, an dem Welby seit zehn Jahren hing. Dann war Welbys doppelter Kampf zu Ende: der gegen seinen unheilbaren Muskelschwund und jener gegen die italienischen Gesetze, die ihm zwar das Recht zur Selbstbestimmung zusicherten, dessen Umsetzung aber verboten. Am Ende hatte Welby nur noch die Augen bewegen und flüstern können. Aber alle fanden ihn in dem, was er das „infame Gefängnis meines Körpers“ nannte, geistig hellwach und sehr entschieden: Welby wollte sterben.

Im September richtete er einen dramatischen Videoappell an den Staatspräsidenten, man möge einem unheilbar Kranken wenigstens das Sterben erlauben. Die radikalliberale Partei von Marco Pannella, der sich Welby angeschlossen hatte, machte ihn zum Vorkämpfer einer politischen Kampagne für die „Euthanasie“. Am Ende suchten die Radikalen einen Arzt, der dem Kranken zu seinem „natürlichen Recht“ auf Sterben verhelfen würde. Offenbar hat sich nur einer gemeldet. Aber Mario Riccio ist nicht irgendwer: Der Anästhesist aus Cremona gehört auch der Nationalen Kommission für Bioethik an. In langen Gesprächen mit Welby habe er sich von dessen Ernsthaftigkeit überzeugt. „Dann habe ich kein Hindernis mehr gesehen.“

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