Politik : Neue Details in Affäre um Euro Hawk

Schon 2010 rechnete Firma nicht mit Zulassung.

Berlin - Im Debakel um das gescheiterte Drohnenprojekt Euro Hawk droht Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) neuer Ärger: Der Drohnenhersteller Northrop wusste laut einem Medienbericht bereits 2010, dass der Euro Hawk keine Zulassung für den Flugbetrieb in Europa bekommen würde. Projektmanager James Kohn habe bereits bei einer Krisensitzung im Februar 2010 zugegeben, „der Euro Hawk in seinem jetzigen Zustand wird niemals die Anforderungen eines umfassenden Musterprüfverfahrens erfüllen“, berichtete die „Bild am Sonntag“ unter Berufung auf geheime Firmenunterlagen.

Die Einschätzung habe zuvor das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung dem US-Unternehmen übermittelt, heißt es in dem Bericht. Manager Kohn habe dann einen trickreichen Ausweg gefunden, ein Scheitern des Projektes abzuwenden und die bereits produzierte Demodrohne zu einem „Prototypen Plus“ umetikettieren lassen. Für solch einen Prototypen ist die Beschaffung einer vorläufigen Zulassung wesentlich einfacher.

Der SPD-Verteidigungsexperte Hans-Peter Bartels kritisierte in diesem Zusammenhang de Maizières Vorgänger Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU): Dieser habe sich genauso wenig um das Drohnenprojekt gekümmert wie sein Nachfolger, sagte er. „Nach unserer Aktenkenntnis hätte die Bundeswehr das Euro-Hawk-Projekt wegen der Zulassungsprobleme schon 2010 stoppen können.“ Der Grünen-Verteidigungsexperte Omid Nouripour sagte, dass zu Guttenberg viele offene Baustellen hinterlassen habe, sei nicht neu. „Die Frage ist, warum de Maizière sich nicht darum gekümmert hat.“ SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück warf de Maizière vor, die Öffentlichkeit in der Euro-Hawk-Affäre getäuscht zu haben. AFP

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