Politik : Neue Eintracht zwischen Chirac und Scharon

Guillaume Decamme

Paris - Auf den Tag genau vor einem Jahr hatte ihm Jacques Chirac den Titel „Persona non grata“ verliehen und ihm bedeutet, er sollte „besser den Mund halten“, anstatt einen vermeintlichen Antisemitismus in Frankreich anzuprangern. Bei seinem Besuch am Mittwoch aber rollte Frankreich Ariel Scharon den roten Teppich aus, während der israelische Premier Chirac als „einen der wichtigsten Staatsmänner der Welt“ bezeichnete.

Die Verstimmung zwischen den beiden Ländern hatte im vergangenen Jahr ihren Höhepunkt erreicht, als Ariel Scharon einen „entfesselten Antisemitismus“ in Frankreich beklagt und die französischen Juden aufgerufen hatte, das Land zu verlassen. Frankreich lud Scharon daraufhin aus. Im Herbst kam auch noch der todkranke Palästinenser-Präsident Jassir Arafat zum Sterben nach Paris – was Scharon in seiner Meinung bestärkte, Paris betreibe eine zu araberfreundliche Politik.

Die Abkühlung gehört nun aber der Vergangenheit an. Beide Länder stimmten „in so vielen Punkten wie noch nie zuvor“ überein, sagte ein Mitarbeiter Scharons am Mittwoch am Rande des Besuchs. Scharon dankte Chirac ausgerechnet für dessen „entschlossenen“ Kampf gegen den Antisemitismus. Die Statistiken geben ihm Recht: Wie aus einer Studie hervorgeht, ist die Zahl antisemitischer Übergriffe im ersten Halbjahr 2005 um 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Scharon lud Chirac auch gleich zum Gegenbesuch auf seine Ranch ein.

Die neue französisch-israelische Harmonie lässt sich auch an der Haltung zum Nahost-Konflikt ablesen. Beim Treffen im Elysée-Palast nannte Chirac den Abzug aus dem Gazastreifen eine „historische Entscheidung“, die dem Friedensplan eine „positive Dynamik“ verschaffe. Frankreich sei für die Gründung eines „lebensfähigen und unabhängigen Palästinenserstaates“. Dies werde Israel ein Leben in Sicherheit ermöglichen. Am Montag starteten zwei Flugzeuge in Richtung Tel Aviv. An Bord waren 400 französische Juden. Sie wollen in Israel ein neues Leben anfangen.

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