Politik : Neue Fakten im Fall Klar

Bubacks Sohn für Begnadigung / Ehemaliger RAF-Terrorist schreibt wieder an Bundespräsident

Frank Jansen,Axel Vornbäumen

Berlin - In den Fall des zu sechsmal lebenslanger Haft verurteilten ehemaligen RAF-Terroristen Christian Klar (55) ist unerwartet Bewegung gekommen. Nach neuesten Erkenntnissen war Klar zwar einer der führenden Terroristen im „Deutschen Herbst“, möglicherweise aber an den Taten des Jahres 1977 nicht überall in vorderster Front beteiligt. Der Sohn des vor 30 Jahren von der RAF ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback, der Chemieprofessor Michael Buback, will ernstzunehmende Hinweise erhalten haben, wonach Klar weder die tödlichen Schüsse auf seinen Vater abgefeuert hat noch an der Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer beteiligt gewesen sei.

Michael Buback bezeichnete die Hinweise als „schlüssig" . Er plädierte in der „Süddeutschen Zeitung“ deshalb dafür, Klar zu begnadigen. In einem ZDF-Interview äußerte Buback, dass kürzlich ein Informant in einem längern Telefongespräch an ihn herangetreten sei. Buback sagte, er würde sich wünschen, dass sich dieser Informant auch öffentlich äußern könne. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe will die Hinweise demnächst prüfen. Sie seien seit kurzem bekannt, sagte Justizministerin Brigitte Zypries (SPD).

In Sicherheitskreisen wird jedoch betont, Klars Beteiligung an der gemeinschaftlichen Ermordung von Siegfried Buback und Schleyer sei erwiesen. Unklar bleibt aber, wer von einem Motorrad aus Buback erschoss. Außerdem war am Mittwoch weder bei der Bundesanwaltschaft noch beim Bundeskriminalamt zu erfahren, ob das später sichergestellte Motorrad und ein Helm mit der in den 90er Jahren eingeführten Methode der DNS-Analyse erneut untersucht wurde.

Nach Informationen des Tagesspiegels hat sich Klar vor kurzem in einem weiteren Brief an Bundespräsident Horst Köhler gewandt, um sein seit vier Jahren im Präsidialamt liegendes Gnadengesuch voranzutreiben. Klar präzisiert darin seine Beweggründe für das umstrittene Grußwort, das im Januar auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin verlesen wurde. Der Text, den er im Gefängnis in Bruchsal verfasst hatte, ließ den um Gnade ersuchenden Klar als unverbesserlichen Hardliner erscheinen.

Wie der Tagesspiegel erfuhr, zeigt sich Klar in dem Brief an Köhler von der Heftigkeit der Debatte irritiert und verweist darauf, sein Grußwort stamme aus dem vergangenen Jahr und sei lediglich auf persönlichen Wunsch des ehemaligen PDS-Bundestagsabgeordneten Heinrich Fink verfasst worden. Das Präsidialamt wollte auf Anfrage keinen Kommentar abgeben. Am Mittwoch beriet Köhler in kleiner Runde über das Gnadengesuch; eingeladen war auch Michael Buback. Der Sohn des ermordeten Generalbundesanwalts ist die erste gewichtige Stimme eines Angehörigen der RAF-Opfer, die nun für eine Begnadigung des seit über 24 Jahren einsitzenden Klar eintritt. Buback argumentiert, eine schärfere Strafe für Klar als jene 24 Jahre Mindestverbüßungsdauer, zu der die jüngst freigelassene Brigitte Mohnhaupt verurteilt wurde, sei nicht gerechtfertigt, wenn Klar gar nicht die herausgehobene Stellung in der RAF gehabt hätte.

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