Politik : Neue Fantasie für die Schiene (Kommentar)

Margarita Chiari

Damit war zu rechnen: Die Absage an die teure Transrapid-Verbindung zwischen Berlin und Hamburg weckt neue Begehrlichkeiten. Flughafenanbindungen, europäische Transversalen als Doppeldecker über die Autobahnen oder der zügige Ausbau anderer Hochgeschwindigkeitsstrecken - bei der Suche nach Alternativen für die Magnetschwebebahn sind der Fantasie nun keine Grenzen gesetzt. Und prompt taucht ein Projekt in der Diskussion auf, das einst mit guten Argumenten auf Eis gelegt worden war: die nahezu acht Milliarden Mark teure ICE-Verbindung quer durch den Thüringer Wald. Das Erstaunlichste dabei aber ist, dass die Forderungen für den Bau nun ausgerechnet von Mitgliedern der Grünen-Partei kommen, die das Projekt seinerzeit vehement bekämpft hatten.

Sicher gibt es gute Gründe, über die Strecke nachzudenken. Ostdeutschland verfügt bis heute über keine nennenswerte Hochgeschwindigkeitsverbindung. Die Nord-Süd-Trasse von Berlin über Erfurt nach München galt zu Recht als das entscheidende Schienen-Infrastrukturvorhaben für den Aufbau Ost. Unternehmen in Jena klagen immer wieder, dass die schlechte Anbindung zunehmend zum Hindernis wird, auch bei der Suche nach guten Nachwuchskräften. Dennoch sollte man nun keine Illusionen schüren: Der Wegfall des Transrapid-Projekts hat keine überschüssigen Gelder freigemacht, sondern lediglich die Gefahr neuer Lücken verringert. Geld ist noch immer knapp. Zu Recht hatte die Bahn deshalb entschieden, auf Neubauprojekte vorerst zu verzichten und der Modernisierung vorhandener Strecken den Vorrang einzuräumen. Für einen Kurswechsel gibt es keinen Grund. Denn eines ist sicher: Die Wunschliste für neue Projekte ist lang.

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