Politik : Neue Fragen

11.04.2004 00:00 UhrVon Malte Lehming

Protokoll nährt Zweifel an der Aussage von Rice: Hat Bush schon im August 2001 von konkreter Gefahr gewusst?

Sie wird das Thema nicht los. Wie eine Klette hängt es an ihr. Inständig hatte die Regierung von US-Präsident George W. Bush gehofft, mit dem Auftritt von Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice vor der 9/11-Kommission werde etwas Ruhe in die Diskussion einkehren. Hätten die Anschläge verhindert werden können? War die Regierung rechtzeitig gewarnt worden? Diese Fragen hatte Terrorexperte Richard Clarke mit hoher Kompetenz und neuer Dringlichkeit gestellt. Rice sollte den öffentlichen Furor besänftigen.

Doch die Zweifel sind geblieben und werden durch weitere Fakten genährt. Diesmal stehen im Zentrum ein Protokoll und ein Memorandum.

Das Protokoll datiert auf den 6. August 2001. Damals befand sich Bush auf seiner Ranch in Crawford, Texas. Dort wurde er von den Geheimdiensten über eine drohende Gefahr informiert. Das Dokument hat den Titel „Bin Laden entschlossen, innerhalb der USA anzugreifen". Explizit wird vor Flugzeugentführungen und dem Einsatz von Sprengstoff gewarnt. Bekannt ist zu dieser Zeit, dass Anhänger bin Ladens eine Operationsstruktur in den USA aufgebaut haben. Laut Rice sei das Briefing am 6. August nur allgemeiner, „historischer" Natur gewesen. Hinweise auf den konkreten Anschlag, wie er am 11. September verübt wurde, habe es nicht gegeben.

Folglich brandet jetzt der Streit darüber auf, wie konkret eine Warnung sein muss, um ernst genommen zu werden. Bin Laden, Al Qaida, in Amerika, Flugzeugentführung: Reichen solche Stichworte nicht, um alle Alarmsignale zum Blinken zu bringen? Bei der Befragung von Rice wurde aus dem Protokoll bereits zitiert. Lange Zeit war es vom Weißen Haus als geheim eingestuft worden. Durch ständiges Bohren ist erreicht worden, dass große Teile davon ab kommender Woche öffentlich sind. Auch das wirft kein gutes Licht auf die Administration: Sie reagiert nur auf Druck. Bush war gegen die Kommission, hat ihr Unterlagen verweigert, wollte den Auftritt von Rice verhindern.

Das zweite Dokument, ein Memorandum, datiert auf den 4. Juli 2001. Verfasst war es von der Gruppe um Clarke, adressiert an Rice. Darin werden die Maßnahmen aufgezählt, die das Weiße Haus wegen der Terrorgefahr verfügt hat. Unter anderem seien alle zuständigen FBI-Büros angewiesen worden, im erhöhten Maße wachsam zu sein. Das gelte besonders im Umgang mit bekannten oder verdächtigen Terroristen innerhalb Amerikas. Beim FBI indes scheinen solche Aufforderungen nie angekommen zu sein. Von mindestens zwei der 19 Flugzeugentführer wussten die Geheimdienste, dass sie über Terrorverbindungen verfügten. Zwischen Weißem Haus, CIA und FBI gab es offenbar einen eklatanten „Kommunikationszusammenbruch". Darüber wird in der kommenden Woche zu sprechen sein. Dann tritt Innenminister John Ashcroft vor der 9/11-Kommission auf. Er ist verantwortlich für das FBI.

Videos - Politik

Umfrage

Immer wieder wird der Verbleib Griechenlands in der Eurozone kontrovers diskutiert. Was denken Sie?

Service

Grüne Geschäfte - Der Blog

Wir können's besser: Für eine Wirtschaft, die Ressourcen und Klima schont
Der Blog von Tagesspiegel-Autorin Dagmar Dehmer und der Zeit-Online-Autorin Marlies Uken.

Rechtsextremismus in Deutschland

Weitere Themen

Das Kernkraftwerk Philippsburg im Landkreis Karlsruhe. Foto: dapd

Die aktuellen Tagesspiegel-Artikel aus unserem Atomkraft-Themenressort.

Atomkraft

Umfrage

Peter Altmaier von der CDU wird der neue Umweltminister - ist er der richtige Mann für den Posten?

Todesopfer rechter Gewalt

Tagesspiegel-Abo

Foto:

Werden Sie Tagesspiegel-Abonnent und sichern Sie sich tolle Prämien. Spezielle Angebote finden Sie in unserem Aboportal.

Leser werben Leser - Vermitteln Sie einen neuen Tagesspiegel-Leser und wählen Sie Ihre Wunschprämie.

Studentenabo - Profitieren Sie von unseren günstigen Studentenangeboten.

Probeabo - 14 Tage kostenlos den Tagesspiegel lesen.

Tagesspiegel App für iPhone und iPad.

Aboservice - Ob Urlaub, Umzug oder Schwierigkeiten bei der Zustellung - wir helfen Ihnen weiter.

Tagesspiegel Abo
Deutsche ISAF-Soldaten: Der Krieg in Afghanistan geht ins elfte Jahr. Foto: dapd

Der Einsatz am Hindukusch neigt sich dem Ende zu. Eine Übersicht über alle Artikel zum Afghanistan-Krieg finden Sie hier.

Alles über Afghanistan
Wie geht es weiter mit dem Euro und der EU? Foto: Reuters

Zehn Jahre Euro. Alle Artikel zur Finanzeskalation im Krisenjahr 2011, wirtschafts- und finanzpolitische Themen in unserem Themenressort.

Euro-Krise

Krankenkassen-Vergleich

Foto:

• Beitragsrechner
• Versicherungsvergleich
• Tipps zum Wechsel

Der schnelle Weg zur günstigen Krankenkasse.

Hier vergleichen
Foto:

Das politische Geschehen in der Hauptstadt. Hautnah. Alles über die Berliner Landespolitik und ihre Akteure lesen Sie hier.

Berliner Landespolitik
Braunkohle-Tagebau des Vattenfall-Konzerns bei Jänschwalde .Aus Jänschwalde und Cottbus-Nord werden täglich zirka 60.000 Tonnen Braunkohle gefördert. Mit dieser Energie kann der Tagesbedarf einer Großstadt gedeckt werden. Foto: dpa

Solarenergie, Berichte von den Klimakonferenzen, Atomkraft und vieles mehr aus den Themenbereichen "Energie und Umwelt".

Energie

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite