Neue Führung am BER : Mehr Verzweiflung als Neuanfang

Beim BER dreht sich das Personalkarussell - mal wieder. Nach einem wirklichen Neuanfang sieht das Stühlerücken indes nicht aus; es ist vielmehr Ausdruck zunehmender Verzweiflung. Ein Kommentar.

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Letzte Amtshandlungen. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) gibt seinen Aufsichtsratposten beim BER auf.
Letzte Amtshandlungen. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) gibt seinen Aufsichtsratposten beim BER auf.Foto: imago/STPP

Wäre der BER ein Rummelplatz, ließe sich sagen: So kommt endlich mal wieder Schwung in die Sache – für das, auf was sich Eigentümer und Aufsichtsrat da verständigt haben, wurde der Begriff „Personalkarussell“ erfunden. Aber hier geht es nicht um eine elegante Bewegung im Kreis; hier geht es nur noch darum, endlich den einstmals als „modernsten Flughafen Europas“ gepriesenen BER ans Netz zu bringen. Es ist allerdings nicht mal im Ansatz zu erkennen, wie die Neubesetzung der beiden zentralen Positionen, die der Vorsitzenden von Aufsichtsrat und Geschäftsführung, diesem Ziel dienen könnte.

Die Entscheidungen der vergangenen Wochen sind noch am ehesten als Ausdruck zunehmender Verzweiflung zu sehen, als Panikreaktion auf selbst verschuldete Turbulenzen. Das gilt für die Freistellung von Technikchef Marks durch Flughafenchef Mühlenfeld ebenso wie für die Trennung von Mühlenfeld durch den Aufsichtsratschef Müller, das eine mit einer mediokren Nachfolgeregelung, das andere gleich ganz ohne. Und das gilt auch für die Reaktivierung des alten Technikchefs durch den neuen Geschäftsführer, trotz erheblicher Zweifel an der Güte dessen bisheriger Arbeit. Das Primärziel: nur nicht selbst abzustürzen als Geschäftsführer, Aufsichtsratschef, Gesellschaftervertreter, Ministerpräsident, Regierender Bürgermeister, Senator, Staatssekretär. So gesehen, ist gerade mal eine halbwegs gesichtswahrende Notlandung gelungen. Als Nächstes werden dann mal wieder die Wrackteile sortiert, als Übernächstes folgt die abermalige Verschiebung des Eröffnungstermins.

Mangelnde Kommunikation durch mangelndes Vertrauen

Das Fatale bei Baustellen dieser Größenordnung ist: Jeder hält den anderen für einen Idioten, der Fall Marks zeigt das exemplarisch. Eine der Begründungen für die Ablösung Mühlenfelds lautete: Der Geschäftsführer habe seinem Technikchef die personelle Unterstützung versagt. Mühlenfeld dagegen begründet die Kaltstellung von Marks unter anderem damit, dass Marks seine Organisation so aufgebläht habe, dass die Baunebenkosten inzwischen doppelt so hoch seien wie die eigentlichen Baukosten – das wäre das Zehnfache des Üblichen. Aber weder das eine noch das andere war ursächlich für den geplatzten Eröffnungstermin 2017.

Die beiden Grundübel des BER werden auch durch die neue Personalrochade nur schwer zu lösen sein. Das eine lautet: mangelnde Kommunikation wegen mangelnden Vertrauens. Wie soll das besser werden mit einem neuen Chef, der nicht als besonders diskursiv und zugänglich gilt – und obendrein künftig kontrolliert wird von einem neuen Aufsichtsratschef, der ihn als Gesellschaftervertreter Brandenburgs da gar nicht erst haben wollte? Das zweite Grundübel: die Erpressbarkeit der Bauleitung durch Firmen, deren Abzug die Baustelle zurückwerfen würde. Immer wieder werden absurde Nachforderungen gestellt, und das Management ist geneigt, dem zu folgen, um die Unternehmen bei Laune zu halten.

Ob der neue Geschäftsführer Ordnung herstellen kann auf seinem Rummelplatz? Mit jedem „Neustart“ schwindet die Hoffnung, wachsen die Zweifel. Was anders, besser werden soll, bleibt einstweilen nebulös. Immerhin konnte Brandenburgs Ministerpräsident Woidke einer bis zum Überdruss wiederholten Phrase etwas Neues hinzufügen: Es müssten jetzt „alle an einem Strick ziehen“. Wem als Nächster einer gedreht werden kann, ist jetzt bekannt.

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