Neue Kampagne zum Integrationsgesetz : Deutschland kriegt das schon irgendwie hin

"Deutschland kann das" lautet der Slogan zum neuen Integrationsgesetz. Das erinnert doch an irgendetwas? Eine Glosse.

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"Deutschland kann das" - Angela Merkel mit ihren Koalitionspartnern.
"Deutschland kann das" - Angela Merkel mit ihren Koalitionspartnern.Foto: dpa

Deutschland kann vieles, wenn wir mal vom Toreschießen gegen fühlbaren Widerstand absehen und vom drüber Singen – deutsche Fans und ihre furchtbaren Lieder sind in den vergangenen Wochen zu einem eigenen journalistischen Genre geworden. Aber, um nicht nur negativ zu sein: Deutschland kann wirklich allerhand.

Unsere Energiewende zum Beispiel ist ein absoluter Heuler im Export, unsere sauberen Dieselmotoren werden längst in der ganzen Welt geschätzt, und wenn es um den Bau von Flughäfen geht, ist deutsche Expertise fraglos Nummer eins. Aber da muss noch mehr sein. Fragen wir mal die Bundesregierung. Hallo, Bundesregierung? Ja? Integrationspolitik? Die können wir?

Sagt die Bundesregierung. Jedenfalls hat sie die Kampagne zum soeben frisch verabschiedeten Integrationsgesetz unter den Slogan „Deutschland kann das“ gestellt. Das ist gewissermaßen eine Steigerung des großen Merkel-Hits von 2015, „Wir schaffen das“, denn es verändert minimal den Blickwinkel. Es geht nicht mehr darum, mit Zuversicht eine bisher einmalige, schwere Aufgabe anzupacken, sondern ein Routineproblem zu erledigen, wie es alle paar Monate vorkommt, und in dessen Handhabung wir Übung haben, so, wie ein Abiturient den Dreisatz auch ohne Leistungskurs eben einfach beherrscht.

Familiäres "Wir"

Interessant ist aber auch, dass das familiäre „Wir“, das wir bis 2015 nur von der SPD kannten („Das Wir entscheidet“), dem unpersönlichen „Deutschland“ weichen musste. Das sind im Zweifel nicht wir alle, sondern die da oben, nicht wahr?

Ein wenig unglücklich wirkt zudem, dass der neue Slogan für diese Jahrhundertinitiative nicht so frisch ist, wie er sein sollte. Schon 2014 nämlich wuselte er auf den Plakaten, die die Digitale Agenda der Bundesregierung lobten. „Schnelles Internet für alle, überall“, hieß es, Deutschland könne das. „Gut vernetzt mit Sicherheit“ – klar, „Deutschland kann das“.

Nun ja: Wenig später wurden die Server des deutschen Bundestages gekapert, und es zeigte sich auch beim Netzausbau, dass der Satz geringfügig anders zu interpretieren ist. Deutschland kriegt das schon irgendwie hin, wenn es nicht so eilig ist und nicht so genau drauf ankommt. Es gibt also Gründe, auch die Sache mit der Integration skeptisch zu sehen. Bei den nächsten großen Problemen schreiben wir also lieber aufs Plakat: Deutschland kann das... ja wenigstens mal versuchen.

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