Neue Kita-Streiks? : Eine Niederlage für Frank Bsirske

Verdi-Chef Frank Bsirske hat eine fürchterliche Niederlage eingefahren. Jetzt geht es nicht nur darum, was aus dem Kita-Konflikt wird. Sondern auch aus ihm. Ein Kommentar.

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Der Verdi-Bundesvorsitzende Frank Bsirske empfiehlt neue Streiks an Deutschland Kitas.
Der Verdi-Bundesvorsitzende Frank Bsirske empfiehlt neue Streiks an Deutschland Kitas.Foto: dpa

Wer die Leute auf den Baum jagt, der sollte wissen, wie er sie wieder herunterbekommt. Eine weitere Binsenweisheit der Tarifpolitiker knüpft an das Bild an: Je höher die Leute auf dem Baum sind, desto schwieriger ist es, sie wieder auf den Boden zu holen. Das hätte Frank Bsirske wissen müssen. Unter den Gewerkschaftsvorsitzenden hierzulande hat niemand so viel Erfahrung wie der Verdi-Chef. Der Mann ist zwar gerne laut, im Tarifgeschäft aber überaus pragmatisch.

In diesem Jahr hatte er ein besonderes strategisches Kalkül: Mit einem Konflikt in den Kitas Punkte in der Öffentlichkeit machen und dabei Mitglieder gewinnen. Im September dann, wenn Bsirske zum fünften und letzten Mal zum Vorsitzenden gewählt werden soll, wollte er von glorreichen Arbeitskämpfen berichten und seinen Rechenschaftsbericht mit tollen Zahlen aufhübschen. Tatsächlich hat der Kita-Konflikt, der im Februar begann, mehr als 20000 neue Mitglieder gebracht. Aber bleiben die auch?

Bsirske hat eine fürchterliche Niederlage eingefahren. Er hat sich mehrfach verzockt. Mit der Forderung nach durchschnittlich zehn Prozent mehr Geld für die Beschäftigten in Sozial- und Erziehungsberufen hat er die Latte zu hoch gelegt. Das hat er in mehr als einem halben Dutzend Verhandlungsrunden und vier Wochen Streik gemerkt. Auch deshalb, weil der Arbeitskampf nicht bei den Arbeitgeber Schaden anrichtete, sondern bei den Eltern. Da war es aber schon zu spät, mit jedem Streiktag kletterten die Streikenden höher auf den Baum.

Bsirske steckte fest und bat zwei Schlichter um Hilfe, deren Kompromissvorschlag nur ein Drittel der ursprünglichen Forderung ausmachte. Er stimmte trotzdem zu – weil nicht mehr drin war. Jetzt hat ihn die Basis zurückgepfiffen. Das Misstrauensvotum wirft zwei Fragen auf: Was wird aus dem Kita-Konflikt, können die Arbeitgeber ein bisschen drauflegen, vor allem bei den Sozialarbeitern, um einen erneuten Arbeitskampf zu verhindern? Und was wird aus Frank Bsirske?


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