Politik : Neue Kontroverse über Zahl der zivilen Opfer unter der albanischen Kosovo-Mehrheit

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Der als gemäßigt geltende politische Führer der Kosovo-Serben, Momcilo Trajkovic, ist bei einem Anschlag in Pristina angeschossen und leicht am Bein verletzt worden. Unbekannte hätten am späten Sonntagabend durch die Tür seiner Wohnung gefeuert, teilte die Friedenstruppe KFOR am Montag mit. KFOR-Kommandeur General Klaus Reinhardt verurteilte die Tat als Terrorismus. Dies war ein "krimineller Angriff gegen einen respektierten Politiker", sagte Reinhardt.

Es gibt nicht mehr viele, die im mehrheitlich albanischen Kosovo für die bedrängte Minderheit der Serben sprechen können. Die serbischen Behörden sind längst abgezogen. Zurückgeblieben ist Momcilo Trajkovic, der Wortführer. Seinen Lebensmittelladen im Zentrum von Pristina haben Albaner längst geplündert. Als es am späten Sonntagabend an seiner Wohnungstür klingelte, glaubte Trajkovic an einen Kontrollbesuch einer britischen KFOR-Patrouille, ohne deren Eskorte er sich im Kosovo nicht bewegen kann. Zu spät bemerkte er seinen Irrtum, es fielen Schüsse, Trajkovic konnte sich mit Müh und Not in die Wohnung retten.

"Ich bin fast sicher, dass dies ein Mordversuch war", sagte Trajkovic gegenüber Journalisten. Der 49-Jährige konnte das KFOR-Hauptquartier alarmieren. Die nächtlichen Besucher haben laut Trajkovic albanisch gesprochen: "Es wäre ein großer Erfolg für diese Leute, mich aus meiner Wohnung zu vertreiben." Von den einst 30 serbischen Familien in seinem Wohnblock seien nur noch drei übrig geblieben.

Die schrumpfende Minderheit im Kosovo sucht bei Trajkovic Rat und Hilfe. Doch der Serbenführer ist auch für die Vertreter der internationalen Gemeinschaft bei den Stippvisten in Pristina wichtiger Gesprächspartner. Er ist der Mann zwischen den Fronten: Mit Slobodan Milosevic und dessen Belgrader Regime steht Trajkovic schon seit Anfang der 90er Jahren auf dem Kriegsfuß.

Inzwischen ist ein Streit über die albanischen Opferzahlen und die Massengräber aus dem Kosovo-Krieg entbrannt. Nach Angaben der Londoner "Sunday Times" soll der britische Außenminister Robin Cook die Zahl der von Serben getöteten Zivilisten stark übertrieben haben. Cook hatte die Morde an Kosovo-Albanern mit dem Holocaust verglichen. Pathologen-Teams sprechen hingegen von höchstens 2500 Toten.

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