Politik : Neue Offensive gegen Taliban in Afghanistan

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Kandahar - Ungeachtet der sich häufenden Berichte über getötete Zivilisten haben die Koalitionstruppen am Wochenende im Süden Afghanistans einen neuen Großeinsatz begonnen. Tausende Soldaten aus Afghanistan, Großbritannien, Kanada und den USA kämpften gegen die Taliban, teilte ein Sprecher mit. Es handelt sich um den größten Einsatz der Koalitionstruppen seit dem Sturz der Taliban Ende 2001. Der Großeinsatz begann am Samstag im Distrikt Sangin in der Provinz Helmand, wie der Sprecher der Koalitionstruppen weiter mitteilte.

Es sei das erste Mal seit dem Korea-Krieg in den Fünfzigerjahren, dass die USA, Kanada und Großbritannien in derart großem Umfang zusammenarbeiteten. Der Einsatz solle so lange fortgeführt werden, bis sich die Sicherheitslage verbessert habe und mit den Bewohnern über einen Wiederaufbau gesprochen werden könne. Nach offiziellen afghanischen Angaben vom Sonntag wurden allein bei den Kämpfen im Süden Afghanistans 37 Taliban-Kämpfer getötet und 22 weitere verletzt. Die Taliban-Kämpfer sollen sich mit den Drogenbaronen in Helmand, wo das meiste Opium produziert wird, verbündet haben.

Der jüngste Einsatz betrifft die Provinzen Helmand, Kandahar, Sabul und Urusgan. Bei heftigen Kämpfen in Urusgan waren am Donnerstag nach Angaben der Koalitionstruppen 30 „Extremisten“ getötet worden. In derselben Provinz waren am Dienstag nach Angaben eines Abgeordneten und eines Dorfbewohners bis zu 60 Zivilisten getötet worden. Präsident Hamid Karsai ordnete Ermittlungen an.

Unterdessen prüften afghanische Behörden und die Koalitionstruppen Berichte, wonach am Mittwoch bis zu 200 Zivilisten bei einem Angriff britischer Truppen in der Provinz Helmand getötet worden sein sollen. Ein Sprecher des afghanischen Verteidigungsministeriums sagte am Samstag, Berichten über zivile Opfer in Nawsad werde nachgegangen. Eine Sprecherin der Koalitionstruppen erklärte in Kabul, gemeinsam mit der Regierung werde ermittelt, „was tatsächlich passiert ist“. Die britische Armee teilte mit, die afghanischen Behörden hätten ihr versichert, dass bei dem Angriff 19 Taliban-Kämpfer, aber keine Zivilisten getötet worden seien. Das Innenministerium bestätigte dies.

Die BBC berichtete am Samstag unter Berufung auf Bewohner Nawsads, zwischen 25 und 200 Menschen seien durch das Bombardement von mehreren Geschäften und einer Schule getötet worden. Der Rundfunksender Radio Liberty mit Sitz in Prag sendete unterdessen Interviews mit Bewohnern, die von Dutzenden Toten sprachen, darunter Frauen und Kinder. AFP

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