Politik : Neue Probleme durch neues Beben

Weitere Kernkraftwerke betroffen / Auch China besorgt über radioaktives Meerwasser

Tokio - Das schwere Nachbeben in Japan am Donnerstag hat die Lage im Lande weiter verschlimmert. Neben Fukushima ist jetzt auch das Kraftwerk von Onagawa betroffen. Dort ist nach einer Erklärung des Betreibers aus den Becken für abgebrannte Brennelemente der Reaktoren eins, zwei und drei Wasser geschwappt. Außerdem seien zwei der drei Stromleitungen zur Versorgung der Meiler durch das Beben der Stärke 7,4 ausgefallen. Die Kühlung der Abklingbecken sei wegen der Erdstöße kurz unterbrochen worden, laufe aber inzwischen wieder. Onagawa liegt rund hundert Kilometer nördlich des Atomkraftwerkkomplexes Fukushima. Bei dem Nachbeben der Stärke 7,1 starben vier Menschen, in mehr als 3,3 Millionen Haushalten fiel der Strom aus.

Im Kraftwerk Fukushima, das schon nach der Katastrophe am 11. März havarierte, sind die Reaktoren nach Erdbeben und Tsunami weiter nicht unter Kontrolle. Ein IAEO-Vertreter erklärte zuletzt, es gebe leichte Fortschritte bei den Bemühungen, die Lage zu stabilisieren, allerdings sei sie nach wie vor sehr ernst. Am Donnerstagabend, wenige Stunden nach dem Nachbeben, hatte Japans Atomaufsicht zudem von Stromunterbrechungen im Atomkraftwerk Higashidori in der Präfektur Aomori und in der Wiederaufbereitungsanlage Rokkasho berichtet.

Nach Südkorea hat sich nun auch China besorgt darüber gezeigt, dass aus dem Atomkraftwerk Fukushima radioaktiv verseuchtes Wasser in den Pazifik geleitet wird. Japan sei gebeten worden, China rechtzeitig und umfassend über die aktuelle Lage in Fukushima zu unterrichten, sagte der Sprecher des Außenministeriums. Als Nachbarland sei China „natürlich besorgt“ über die Situation. Der Kraftwerksbetreiber Tepco hatte diese Woche begonnen, 11,5 Millionen Liter verseuchtes Wasser aus Fukushima ins Meer zu leiten. Damit sollte in Tanks Platz geschaffen werden, um dort später stärker verstrahltes Wasser sicher speichern zu können. Auch Südkorea hatte sich über die Aktion besorgt geäußert.

Japans Regierung macht sich unterdessen Sorgen um die wirtschaftliche Lage des Landes. Die Katastrophe zwang zahlreiche Unternehmen zur Einstellung ihrer Produktion. Eine Umfrage bei den Dienstleistern des Landes ergab am Freitag, dass sich die Stimmung in der Branche deutlich eintrübte. Der Index für das Geschäftsklima sank im März auf den tiefsten Stand seit Februar 2009. Die Zentralbank teilte mit, sie gehe davon aus, dass Industrieproduktion und Exporte in nächster Zeit weiter schwächeln würden. Handelsminister Banri Kaieda erklärte nach einem Kabinettstreffen, Unternehmen und private Haushalte müssten in diesem Sommer ihren Energiebedarf deutlich zurückschrauben.

Der Autohersteller Toyota will seine nach dem Beben vom 11. März stark beeinträchtigte Produktion in Japan allerdings in wenigen Tagen wieder aufnehmen. Ab dem 18. April würden alle Werke nach und nach wieder produzieren, sagte ein Sprecher. Nach Angaben von Toyota Deutschland wird die Produktion aber wegen Strommangels nur zu 50 Prozent laufen. Der Autobauer Nissan kündigte an, die Bänder würden zwischen dem 11. und 18. April an allen japanischen Standorten wieder anlaufen. rtr/dpa/AFP

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