Politik : Neue Thesen für die Protestanten

Von heute an tagt die Synode der EKD. Es geht um Reformen und die Bedeutung des Evangelischen

Claudia Keller

Dresden - Schon lange wurde in der evangelischen Kirche nicht mehr so viel diskutiert wie im Moment. Grund ist der tiefgreifende Reformprozess, den die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) im vergangenen Jahr angestoßen hat. Viele Pfarrer, Bischöfe, Gläubige und Journalisten stießen sich damals an der kalten Managementsprache, in der schonungslos Stärken und Schwächen der evangelischen Kirche analysiert wurden. Die Folgerungen, Qualität zu steigern, indem man Landeskirchen fusioniert, Aufgaben bündelt und neue Schwerpunkte setzt, empfanden viele als anmaßend. Anlass für die Reformen sind Prognosen, die einen Mitgliederrückgang um ein Drittel auf 17 Millionen bis 2030 voraussagen.

Im Januar dieses Jahres hatten 300 leitende Geistliche und Abgesandte der 23 Landeskirchen auf einem „Zukunftskongress“ über den Reformprozess diskutiert – und in weiten Teilen zugestimmt. Von Sonntag bis Mittwoch befasst sich nun die Synode der EKD auf ihrer Jahrestagung in Dresden mit dem Reformkurs.

Die Synode ist das oberste Kirchenparlament der evangelischen Kirche, die über 25 Millionen Mitglieder zählt. In ihr sind 120 Abgesandte aus den 23 Landeskirchen vertreten, Laien wie Pfarrer. Der EKD-Synode steht der Rat der EKD gegenüber mit Bischof Wolfgang Huber an der Spitze. Unter dem Motto „Evangelisch Kirche sein“ wollen die Kirchenparlamentarier in Dresden über die Schärfung des Profils der evangelischen Kirche beraten.

Obwohl der Reformdruck in den westlichen, finanzkräftigeren Landeskirchen längst nicht so hoch ist wie in den östlichen, haben sich die meisten auf den Weg gemacht und probieren Neues aus – sei es auch erst einmal nur, dass man religiöse Feste wieder opulenter feiert, alte Pilgerwege entdeckt oder ungetaufte Christen bewusst anspricht.

„Jetzt ist es wichtig, dass sich die Synode den Reformprozess aneignet und Impulse über die landeskirchlichen Grenzen hinweg gibt“, sagte Margot Käßmann, Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers. Aber es dürfe nicht übersehen werden, dass die Wirklichkeit in den Gemeinden sehr vielfältig ist und die Landeskirchen sehr unterschiedlich sind. Die EKD könne nichts von oben verordnen.

Nikolaus Schneider, Präses der Rheinischen Landeskirche, erwartet, dass kontrovers darüber diskutiert wird, welche Macht künftig der Synode selbst zukommt. Die Landeskirchen seien sich einig, dass die Kompetenzen der EKD gestärkt werden müssten. Viele hätten nicht mehr das Geld, alles selbst zu machen. Aber dann müsse auch die EKD-Synode gestärkt werden. Im Impulspapier von 2006 stand aber, dass die synodale Struktur der evangelischen Kirche historisch bedingt und womöglich überholt sei. Sie müsse auf ihre Effektivität überprüft werden. „Nicht mit uns“, sagt Schneider.

Die Synodalen beraten zudem über den EKD-Haushalt für 2008. Er sieht Einnahmen und Ausgaben von 171 Millionen Euro vor, im laufenden Jahr sind es 176 Millionen Euro. Derzeit steigen die Kirchensteuereinnahmen infolge der guten Konjunktur.

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