Politik : Neue Vorwürfe gegen Annan im UN-Skandal

Matthias B. Krause

New York - UN-Generalsekretär Kofi Annan sah den neuen Ärger bereits am Horizont. „Für einige wird der Skandal nie sterben“, konstatierte er im Mai resigniert, als er wieder einmal zu seiner Rolle im Skandal um das Öl-für-Lebensmittel- Programm für den Irak befragt wurde. Nun präsentierten seine Gegner neue, gefährliche Munition. Zwei E-Mails suggerieren, dass der Chef der Vereinten Nationen mehr von der umstrittenen Vergabe eines Millionenauftrages an die Schweizer Firma Cotecna wusste, als er bislang zugab. Die Sache ist deshalb so brisant, weil damals Annans Sohn Kojo bei dem Unternehmen als Berater beschäftigt war.

Eine unabhängige Untersuchungskommission unter Leitung des ehemaligen US-Notenbankpräsidenten Paul Volcker hatte Annan im März freigesprochen. Allerdings mit der Einschränkung, es lägen keine Dokumente dafür vor, dass der Generalsekretär von dem Zehn-Millionen- Dollar-Geschäft mit Cotecna wusste oder mit seinem Sohn darüber sprach. Zwei Kommissionsmitglieder fanden diese Schlussfolgerung so unglaubwürdig, dass sie unter Protest ihre Mitarbeit aufkündigten. Annan wertete das Volcker-Votum als kompletten Freispruch.

Nun wird er sich erneut befragen lassen müssen. Bei den belastenden E-Mails, zuerst von der „New York Times“ veröffentlicht, handelt es sich um Memos des Cotecna-Mitarbeiters Michael Wilson. Der persönliche Freund der Annan-Familie beschreibt darin ein Treffen mit dem Generalsekretär und seiner Delegation am 4. Dezember 1998 in Paris, eine Woche vor Vertragsvergabe. „Wir können mit ihrer Unterstützung rechnen“, vermerkt Wilson darin. In dem zweiten Memo für seine Vorgesetzten zeigt er sich zuversichtlich, dass das „leise Lobbying“ Erfolg bringen werde.

Annan ließ durch seinen Sprecher verbreiten, er habe keine Erinnerung an ein Treffen mit Wilson in Paris. Auch in seinem Terminkalender stehe davon nichts. Gleichwohl schließe er nicht aus, dass er damals mit Kojo gesprochen habe – als Vater und Sohn. Die UN-Führung betont zudem, Annan habe formal mit der Auftragsvergabe nichts zu tun gehabt. Genau das Gegenteil aber suggerieren die Wilson-Schreiben.

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