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Neue Vorwürfe gegen Uli Hoeneß : "Im Profifußball steckt noch eine Menge Sprengstoff"

Uli Hoeneß bekennt sich zu seiner Verantwortung. "Das ist angemessen", sagt NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans. "Mehr aber auch nicht." Der SPD-Politiker vermutet im Profifußball noch weitere Abgründe. Vielleicht zu recht. Denn es gibt neue Vorwürfe gegen Hoeneß.

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Hat sich verzockt: Uli Hoeneß.
Hat sich verzockt: Uli Hoeneß.Foto: dpa

Der Finanzminister von Nordrhein-Westfalen, Norbert Walter-Borjans (SPD), hat angesichts des Urteils gegen den Ex-Präsidenten des FC Bayern München, Uli Hoeneß, den Profifußball zu mehr Offenheit aufgefordert. "Der Profifußball täte gut daran, für Transparenz zu sorgen. Das ist er den Fans, die hohe Eintrittspreise und außerdem Steuern zahlen, schuldig", sagte Walter-Borjans in einem Interview dem Tagesspiegel..

Wenn man den Aussagen von Korruptionsexperten glaubt, "steckt im Milliardengeschäft Profifußball noch eine Menge Sprengstoff", sagte der Finanzminister weiter. "Der Fall Hoeneß wäre dann nur ein Teil davon."

Am Mittwoch wurden neue Anschuldigungen gegen Uli Hoeneß bekannt. Nach Informationen des "Stern" könnte sich die "wahre Dimension des Falls" noch einmal verschieben. Auf dem Konto der Schweizer Vontobel Bank von Hoeneß lagen demnach bis zu 400 Millionen Euro. Es habe zudem über Jahre hohe Einzahlungen und Abbuchungen von Konten bei anderen Schweizer Banken gegeben. Auch prominente Bayern-Spieler hätten bei Vontobel Konten geführt. Hoeneß habe zudem mit Aktien des Bayern-Sponsors Telekom spekuliert.

Höchste Zeit für mehr Transparenz: NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans.
Höchste Zeit für mehr Transparenz: NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans.Foto: pa/dpa

Hoeneß bestreitet, ein Vermögen in dieser Größenordnung besessen zu haben. Zudem erklärte er vor Gericht in München, es seien keine Gelder auf andere Konten abgeflossen. Der geheime Informant behauptet im Gespräch mit dem "Stern" nun das Gegenteil: "Über die Jahre wurden auch immer wieder sehr hohe Beträge auf Konten bei anderen Schweizer Banken transferiert, etwa bei Credit Suisse und Julius Bär". Wer hinter jenen Nummernkonten steckte, sei allerdings nicht ersichtlich. Hoeneß war angeblich nicht der einzige Prominente des FC Bayern, der Geld bei der Vontobel hatte. "Auch Spieler des FC Bayern hatten ein Konto bei der Bank", so der Insider, "da geht es aber um überschaubare Summen im niedrigen Millionenbereich."

Walter-Borjans hält Hoeneß' Umgang mit dem Urteil für angemessen. "Dass sich Herr Hoeneß zu seiner Verantwortung bekennt, ist in Ordnung. Er hat den besten Umgang mit seiner Tat gefunden. Mehr aber auch nicht", sagte er im Interview. Das sehe die Mehrheit in Deutschland auch so. "Lobeshymnen von höchster Stelle und zur Schau getragene Treueschwüre seiner Umgebung finde ich deshalb ziemlich merkwürdig. Steuerhinterziehung von 28 Millionen Euro ist eine schwere Straftat. Das ist das Jahresgehalt von 700 Lehrern und keine harmlose Schludrigkeit", erklärte Walter Borjans weiter.

Von den Vereinen im Profifußball fordert Walter-Borjans strengere Regeln im Umgang mit Geld. "Der Aufsichtsrat des FC Bayern ist ein Who-is-who der deutschen Wirtschaft. Bei anderen ist es ähnlich. In den Unternehmen gelten mittlerweile strenge Regeln. Das sollte auf das Fußballgeschäft abfärben", sagte der SPD-Politiker. "Wie sonst sollte man rechtfertigen, dass der Staat, sprich der Steuerzahler Bürgschaften für Stadien und Garantien für die Sicherheit der Fans übernimmt."

Dass die Öffentlichkeit zu kritisch mit Steuerhinterziehern umgehe, kann der Finanzminister aus Düsseldorf nicht erkennen. "Dass bei Prominenten die Fallhöhe größer ist, kann doch nicht ernsthaft überraschen. Erst recht, wenn sie sich vorher als Vorbilder haben feiern lassen. Das darf aber keine Auswirkungen auf den den Richterspruch haben. Da müssen alle gleich sein. Ich bin froh, dass das Gericht seine Unabhängigkeit unter Beweis gestellt hat", erklärte Walter-Borjans. "Für das Vertrauen in unser Rechtssystem ist das ganz wichtig. Für die Steuerhinterzieher, ob prominent oder nicht, lautet die Botschaft damit: Du kannst Dich nicht länger sicher verstecken. Das wirkt, wie wir an der steigenden Zahl von Selbstanzeigen sehen."

Das komplette Interview mit Norbert Walter-Borjans lesen Sie morgen in der gedruckten Ausgabe oder heute Abend über unsere digitalen Apps.

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