Neue Website : Gemeinsam handeln gegen Nazis

Rechtsextreme verfolgen in Deutschland inzwischen eine subtilere Strategie. Es geht ihnen vor allem darum, unseren Alltag zu durchdringen. Sie treten in Vereine ein und werden Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr. Dagegen helfen nur Informationen und praxisnahe Ratschläge - die "Zeit" startet jetzt eine groß angelegte Aktion: Netz gegen Nazis.

Die Wochenzeitung "Die Zeit", die wie der Tagesspiegel zum Holtzbrinck-Konzern gehört, bündelt mit Netz gegen Nazis in ganz Deutschland Aktionen gegen Rechtsextremismus. Das Projekt unterstützen der Deutsche Fußball-Bund, die Deutsche Fußball Liga (DFL), der Deutschen Olympischen Sportbund, und der Deutsche Feuerwehrverband. TV-Partner ist das ZDF, Online-Partner ist die VZ-Gruppe (schuelerVZ, studiVZ, meinVZ), die ebenfalls zu Holtzbrinck gehört.

"Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo erklärt das Ziel des Projekts: "In Deutschland gibt es zum Glück schon viele gute Initiativen gegen Rechtsextremismus. Unsere Idee geht ein übergreifendes Projekt an: Wir wollen ein bundesweites Forum schaffen, auf dem Betroffene einander Rat geben können, was zu tun ist, wenn rechtsextremistisches Gedankengut in ihren Alltag eindringt." Di Lorenzo sieht einen klaren Unterschied zu den Ereignissen Anfang der Neunziger, als rechtsextreme Täter Ausländer angriffen. Die schweigende Mehrheit reagierte auf Ereignisse wie in Solingen hilflos. Dagegen durchdringe heutzutage rechtsextremes Gedankengut unseren Alltag, berichtet di Lorenzo: Zum Beispiel das NPD-Blatt "Deutsche Stimme" veröffentlichte ein Strategiepapier, das die "Kameraden" ausdrücklich dazu aufrief, in Sportverbände und Feuerwehren zu gehen. Deswegen will die Initiative der "Zeit" die breite Masse über rechte Tendenzen im Alltag aufklären. "Lasst und nicht Appelle an die richten, die eh schon Bescheid wissen", sagt di Lorenzo.

Wissen und Handlungsmöglichkeiten

Im Mittelpunkt des Projekts steht ein großes Webportal, auf dem Fragen zum Rechtsextremismus beantwortet und diskutiert werden sollen. Es geht zum Beispiel um "Zehn Dinge, die Sie über Nazis wissen sollten": Woran man einen Neonazi erkennt oder ob Thor Steinar eine Nazimarke ist. Wissen ist wesentlich, doch Handeln steht ebenfalls im Vordergrund. Denn das Portal soll Menschen helfen, auf rücksichtslose Neonazis zu reagieren. Gerade Tabubrüche von Rechtsextremen lassen Menschen hilflos dastehen - sie wissen nicht, wie sie auf Provokationen reagieren sollen. Wie sollen sie sich verhalten, wenn sie oder andere Personen bedroht werden oder sich bedroht fühlen? Die Nutzer von Netz gegen Nazis sollen sich auf der Seite über ihre Erfahrungen austauschen und sehen, was wirkt.

Bei netz-gegen-nazis.de gibt es außerdem eine Online-Bibliothek der relevanten deutschsprachigen Werke zu Rechtsextremismus und Nationalsozialismus. Das Portal bündelt auch den Weg zu wichtigen Initiativen, Beratungs- und Selbsthilfeorganisationen.

Schwerpunkt Fußball

Die Aktion geht über drei Monate und setzt einen starken Schwerpunkt auf den Breitensport Fußball. "Wir sind nicht frei von diesen Dingen. Wir sind in höchstem Maße gefährdet", sagt Theo Zwanziger, Chef des Deutschen Fußball-Bunds. Sein Ziel ist es, "die Initiative zu ergreifen" und der Basis zu vermitteln, was rechtsextremes Gedankengut ist, und wie man dagegen handeln kann. "Wir müssen die Breite des Amateursports erreichen." Zu den Aufgaben des Fußballbunds  gehören auch sportliche Strafen gegen Vereine, die ihre Fans nicht im Griffen haben. Wenn extremistische Fans "Juden raus" brüllen, sind Punkte weg. "Nicht weil Du kein Tor geschossen hast, sondern weil es dir nicht gelungen ist, zu überzeugen." Denn Vereinsarbeit sei "mehr als das Üben von Pässen", sagt Zwanziger.

Zu der Kampagne gehören auch Videos mit prominenten Vorbildern: Kicker wie Michael Ballack oder Philipp Lahm erklären in zehnsekündigen Videoclips, warum sie gegen Nazis sind. Die Spots werden auch in verschiedenen Fußballstadien gezeigt. Weitere Prominente wie die Moderatoren Marietta Slomka und Markus Kavka oder der Autor Wladimir Kaminer machen sich in Videos stark gegen Rechtsextreme. Die Benutzer können ein eigenes kurzes Video gegen Nazis aufnehmen und es beim Youtube-Kanal von Netz gegen Nazis hochladen. (mhz)

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