Politik : Neue Wege zur richtigen Romantik

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Ah, die Romantik. Schön, wenn sie ihre Blüten treibt, furchtbar, wenn alles dahinwelkt. Heather Mills zum Beispiel, noch Mrs. Paul McCartney, teilt uns jetzt mit, sie werde sich nie wieder mit einem Rentner einlassen. Das ist die rentnerfeindlichste Äußerung der Woche, und ich bitte Sie: Der Mann ist 64, sieht aber aus wie 63, spielt immer noch eine sehr gepflegte Bassgitarre und hat mindestens eine Milliarde gespeichert, Dollar, Pfund, egal was. Vermutlich beides. Was sollen da Rentner denken, die alt aussehen, pleite sind und eine Ukulele nur erkennen, wenn sie reintreten?

Der Fehler liegt vermutlich schon beim Heiraten bzw. Geheiratetwerden. Die Leute machen Verträge, in denen festgelegt ist, wer nach dem Scheitern der Ehe den Hund kriegt und den Schadenfreiheitsrabatt fürs Auto – wie soll das jemals was werden? Und dann reden wir noch nicht mal von der Sache mit dem Namen, von ihm oder ihr? Lieber mit Bindestrich? Alles so lassen? Ein Dauerthema, furchtbar unromantisch.

Aber es gibt da eine Möglichkeit. Sie ist neu und revolutionär, aber das waren ja einst auch Neunamen wie Däubler-Gmelin oder Topfenstrudel-Stellenbrink. Der Fachbegriff lautet „Meshing“: Die werdenden Eheleute tun ihre Nachnamen zusammen, so, wie es am besten aussieht und am tollsten klingt. Deshalb heißt Antonio Villar, der Bürgermeister von Los Angeles, jetzt Villaraigosa, denn er hat Frau Raigosa geheiretet. Und das ist ganz klar ROMANTISCH. Tony Blair und George Bush könnten sich zur Familie Blush, zu Deutsch „Erröten“, vereinigen, das schlägt die BBC vor, ist ihrer Zeit damit aber ein Stück voraus.

Auch im Deutschen ließe sich allerhand machen, sogar die Verbindung von Romantik und Karrierepflege ist kein Problem. Nehmen wir das Ehepaar Sauer/Merkel. Saukel, Murkser, das hätte nichts gebracht. Aber zum Beispiel Merkelauer, das hat den richtigen Vorstands-Sound, die Frau wäre heute glatt Arbeitgeberpräsidentin Gesamtmetall oder sogar Leiterin der Schweriner Zweigstelle von McKinsey – und nicht einfach nur Kanzlerin.

Ein gewichtiger Einwand soll hier nicht fehlen. Was wird aus all den Stammbäumen, wenn die Leute sich in jeder Generation einen neuen Namen mischen? 50 Jahre, und alle heißen Pfnrrrrztilo oder Mürjhgb, wer soll da noch durchblicken? Irgendwann hilft nur noch die Zwangsscheidung. Aber war hat schon einen Milliardär, von dem er sich trennen kann?

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