Neuer Balkanstaat : Kosovaren erklären ihre Unabhängigkeit

Begleitet von Jubelfeiern der Bevölkerung hat das Parlament im Kosovo die bisherige serbische Provinz für unabhängig erklärt. Die Abgeordneten stimmten der Erklärung bei einer Sondersitzung in der neuen Hauptstadt Pristina zu. Serbien reagiert gereizt, die Nato verstärkt ihre Truppenpräsenz.

PristinaDarin verpflichtet sich der neue Staat dem "Frieden" und der "Stabilität". Ministerpräsident Hashim Thaci erklärte den Einfluss Serbiens für "definitiv beendet". Der serbische Präsident Boris Tadic kündigte unmittelbar darauf an, sein Land werde "niemals die Unabhängigkeit des Kosovo anerkennen". Die EU startete ihre zivile Krisenmission Eulex, die beim Aufbau von Polizei, Justiz und Verwaltung im Kosovo helfen soll.

"Auf diesen Tag haben wir lange gewartet", sagte Hashim Thaci, der vor zehn Jahren an der Spitze der Befreiungsarmee des Kosovo stand. "Von heute an ist das Kosovo stolz, unabhängig und frei. Wir schreiben Geschichte und die ganze Welt sieht auf uns." Der serbischen Minderheit garantierte Thaci, dass ihre Rechte gewahrt werden sollten. Zugleich sagte er, mit dem Tag der Unabhängigkeit würden "alle Illussionen" überwunden, dass das Kosovo jemals wieder von Belgrad aus regiert werden könnte.

"Das Kosovo hat jetzt die politische Position verändert", erklärte Parlamentspräsident Jakup Krasniqi. "Wir sind nunmehr ein unabhängiger, freier und souveräner Staat." Präsident Fatmir Sejdiu warnte allerdings in der österreichischen Tageszeitung "Kurier", das Leben im Kosovo werde nach der Erklärung der Unabhängigkeit nicht vom ersten Tag an "das Paradies" sein. Zugleich werde die Unabhängigkeit sich als "Schlüssel zur Entwicklung" erweisen. Derzeit liegt die Arbeitslosenquote im Kosovo bei 45 Prozent.

Zehntausende feiern auf den Straßen

In Pristina zogen zehntausende Menschen jubelnd durch die Straßen. Bereits am Samstag hatten die Freudenkundgebungen begonnen. Die Menschen schwenkten Fahnen Albaniens, der USA, Großbritanniens und Deutschlands. Für den Abend wurden weitere Festlichkeiten vorbereitet, unter anderem ein großes Feuerwerk. Im Verfassungsentwurf wird für die einstige serbische Provinz das Modell einer "überwachten Unabhängigkeit" übernommen, wie es vom UN-Vermittler Martti Ahtisaari vorgeschlagen worden war. Mit der Unabhängigkeit übernehme das Kosovo die Kontrolle der Grenzen und die internationale Eigenverantwortung.

Serbien werde mit "allen friedlichen, diplomatischen und legalen Mitteln" gegen die Proklamation der Unabhängigkeit vorgehen, erklärte Tadic. Serbien und sein Verbündeter Russland lehnten die Unabhängigkeit auch in den vergangenen Monaten strikt ab und wiesen diverse Vermittlungsvorschläge zurück. Deutschland und viele weitere EU-Staaten sowie die USA signalisierten dagegen im Vorfeld eine baldige Anerkennung des neuen Zwergstaates auf dem Balkan. Dagegen waren die EU-Staaten Zypern, Spanien, Griechenland, Slowakei, Rumänien und Bulgarien.

Nato-Truppen sichern den Norden des Landes

Die Nato-Truppe KFOR verstärkte ihre Truppenpräsenz im Norden des Kosovo, wo besonders viele Serben wohnen. Insbesondere in der Stadt Kosovska Mitrovica fuhren Truppentransporter der KFOR auf, wie ein Reporter berichtete. Die KFOR wollte verhindern, dass sich Spannungen zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen entladen. "Wir sind einsatzbereit und hoffen, jedweden Zwischenfall verhindern zu können", sagte der belgische Stabsfeldwebel Johnny Verwichte.

Mit Billigung aller 27 EU-Staaten lief bereits am Samstag die Entsendung von rund 1800 Polizisten, Richtern und Zollbeamten in das Kosovo an. Ziel der bisher größten zivilen EU-Krisenmission ist es, schrittweise eine multi-ethnische Polizei, Justiz und Verwaltung im Kosovo aufzubauen und eine Unterdrückung der serbischen Minderheit zu verhindern. US-Präsident George W. Bush bekräftigte auf seiner Afrika-Reise die Unterstützung der USA für die Unabhängigkeit. Gleichzeitig betonte der Präsident, dass der Status der bisherigen serbischen Provinz so geregelt werden müsse, dass die Balkanregion stabil bleibe. (rope/AFP)

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