Neuer BKA-Chef Holger Münch : Es soll zentraler gefahndet werden

Der neue BKA-Chef Holger Münch will einiges ändern. Er möchte die Polizeiarbeit der Bundesländer stärker zusammenführen, um den Herausforderungen neuer Kriminalität besser begegnen zu können.

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Holger Münch, neuer Chef des Bundeskriminalamts (BKA), bei seiner ersten Pressekonferenz am 21. 11. 2014 in Bremen.
Holger Münch, neuer Chef des Bundeskriminalamts (BKA), bei seiner ersten Pressekonferenz am 21. 11. 2014 in Bremen.Foto: dpa

Die Polizeibehörden in Bund und Ländern müssten sich besser vernetzen und stärker arbeitsteilig vorgehen, um mit der wachsenden Internetkriminalität Schritt halten zu können. Dafür will sich der künftige Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch, einsetzen, wie er am Freitag in Bremen auf seiner ersten Pressekonferenz nach seiner Ernennung ankündigte.

Die Kriminalität werde immer internationaler und verlagere sich zunehmend ins Internet, sagte der parteilose 53-Jährige an seinem letzten Arbeitstag als Staatsrat (Staatssekretär) des Bremer Innensenators Ulrich Mäurer (SPD). „Die Polizei hat Schwierigkeiten, dieser Dynamik zu folgen.“ 70 Prozent der Verbrecherkommunikation könnten nicht mehr ausgewertet werden, weil die Informationen verschlüsselt seien; sie könnten nur teilweise mit extrem teuren Programmen lesbar gemacht werden. Deshalb sei es nötig, dass die Polizei „über Bund- und Ländergrenzen hinweg denkt“ und gemeinsame Kompetenzzentren gegen Internetkriminalität schafft. „Es kann nicht sein, dass jeder alles macht.“ Die teure Überwachungstechnik könne sich nicht mehr jede Behörde allein leisten.

Gemeinsame Strategien gegen islamistischen Terrorismus gefordert

Ein weiteres Ziel sei es für ihn, gemeinsame Strategien zur Bekämpfung des islamistischen Terrorismus zu entwickeln. BKA, Länderpolizeien und Verfassungsschutzämter müssten sich auch dafür stärker vernetzen. Neben besseren Ermittlungsstrategien sei aber auch eine „ganzheitliche Vorbeugungsstrategie“ nötig. Zu der jahrelang nicht entdeckten Mordserie der NSU sagte Münch, die Existenz einer heimlich agierenden rechtsterroristischen Vereinigung sei für die Ermittler einfach unvorstellbar gewesen. Die Lehre daraus sei, „immer auch das Unmögliche weiter zu verfolgen“ und „ständig seine Annahmen zu überprüfen“.

Münch, der auch schon Bremer Polizeipräsident war, hatte am Mittwoch von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) seine Ernennungsurkunde mit Wirkung zum 1. Dezember erhalten. Vor seinem Amtsantritt will er eine Woche lang „als Edelpraktikant“ die BKA-Standorte Wiesbaden und Berlin besuchen.

Aus dem hoch verschuldeten Bremen bringt Münch nach eigenen Worten „lehrreiche Erfahrungen“ mit. Er hatte die Polizei und die Innenbehörde umstrukturiert und sich nach eigenen Worten einen Führungsstil zugelegt, bei dem er seinen Mitarbeiter vor Entscheidungen genau zuhört und sie mitnimmt.

Der gebürtige Bremer sieht sich als „Polizist mit Leib und Seele“. Münch: „In meiner Brust schlagen zwei Seelen: Die eine ist Bremer, die andere ist Schutzmann.“ Bei seiner Berufung an die BKA-Spitze habe schließlich der Schutzmann gesiegt. Seine Frau und sein 17-jähriger Sohn bleiben aber vorerst in der Hansestadt wohnen. Münch will am Wochenende pendeln.

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