Neuer Job in den USA : Guttenberg ist ein "herausragender Staatsmann"

Nach dem Verlust von Amt und Doktortitel ist Deutschlands Ex-Verteidigungsminister in den USA zu hohen Ehren gekommen: Karl-Theodor zu Guttenberg wird sich in einer renommierten US-Denkfabrik um die transatlantischen Beziehungen kümmern.

"Distinguished Statesman": Karl-Theodor zu Guttenberg hat einen neuen Job in den USA.
"Distinguished Statesman": Karl-Theodor zu Guttenberg hat einen neuen Job in den USA.Foto: dapd

Der wegen eines Plagiatsskandals zurückgetretene Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat eine neue Aufgabe an einem der renommiertesten Politik-Institute in den USA gefunden. Das in Washington ansässige Center for Strategic and International Studies (CSIS) bestätigte am Donnerstag, dass Guttenberg der Denkfabrik als „Distinguished Statesman“ („herausragender Staatsmann“) angehören werde.

Der Ex-Minister wird den Angaben zufolge an der Spitze eines neuen transatlantischen Dialogforums stehen, bei dem Meinungsführer und Politiker aus Europa und den USA über Wirtschafts- und Sicherheitsfragen diskutieren sollen. Ziel sei eine „gewagte, neue strategische Vision“, um die transatlantischen Beziehungen angesichts der Machtverschiebungen in der Welt zu stärken.

CSIS-Chef John Hamre erklärte, es sei eine „Ehre“, den früheren deutschen Wirtschafts- und Verteidigungsminister an dem Forschungsinstitut willkommen zu heißen. „Karl-Theodors Energie, Enthusiasmus und tiefe Hingabe für die transatlantische Partnerschaft werden während seiner Tätigkeit von enormem Wert für das CSIS sein.“ Das Institut begründete seine Entscheidung mit Guttenbergs Leistungen bei der Reform der Bundeswehr und mit seinem langjährigen Einsatz für die transatlantischen Beziehungen.

Die Plagiatsaffäre - Guttenberg bis zum Schluss
1. März 2011: Karl-Theodor zu Guttenberg bei seinem Abgang aus dem Amt des Bundesverteidigungsministers. Die Universität Bayreuth wirft ihm Anfang Mai "vorsätzliches wissenschaftliches Fehlverhalten" vor. Er habe "die Standards guter wissenschaftlicher Praxis evident grob verletzt und hierbei vorsätzlich getäuscht."Weitere Bilder anzeigen
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06.05.2011 14:321. März 2011: Karl-Theodor zu Guttenberg bei seinem Abgang aus dem Amt des Bundesverteidigungsministers. Die Universität Bayreuth...

Guttenberg war am 1. März wegen der Plagiatsaffäre um nicht gekennzeichnete Zitate in seiner Doktorarbeit von seinem Amt als Verteidigungsminister zurückgetreten. Er galt vor der Affäre in Umfragen als der beliebteste deutsche Politiker. Der CSU-Politiker hatte die Vorwürfe zunächst als absurd zurückgewiesen. Später sah die Universität in Bayreuth eine vorsätzliche Täuschung als erwiesen an und erkannte ihm den Doktortitel ab.

Im Sommer zog die Familie in die USA um. Wegen der Plagiatsaffäre laufen bei der Staatsanwaltschaft Hof Ermittlungen wegen des Verdachts auf Urheberrechtsverletzungen. Diese Ermittlungen sollten in diesem Herbst abgeschlossen werden, und dann sollte eine Entscheidung gefällt werden, ob Anklage gegen Guttenberg erhoben wird. Ein Sprecher der Ermittlungsbehörde konnte wegen der Abwesenheit des zuständigen Staatsanwalts keine Angaben zum genauen Stand der Ermittlungen machen, laut „Spiegel Online“ soll der Abschluss aber kurz bevor stehen.

Klaus Stuttmann über Guttenberg
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1 von 15Karikatur: Klaus Stuttmann
24.02.2010 16:07

Die Direktorin des Europa-Programms des CSIS, Heather Conley, sagte, das Institut habe „volle Kenntnis“ von der Plagiatsaffäre gehabt. „Am Ende hat das unsere Entscheidung aber nicht verändert“, sagte sie der Nachrichtenagentur AFP. Die Einzelheiten des Dialogforums würden derzeit noch ausgearbeitet.
Guttenberg ist nach dem ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak erst der zweite „Distinguished Statesman“, den das überparteiliche Institut beruft. Die Tätigkeit ist unbezahlt. (AFP)

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