Politik : Neuer Kampf ums Kopftuch in der Türkei

Thomas Seibert

Istanbul - Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan will das Verbot der islamischen Kopfbedeckung an den Universitäten des Landes aufheben. Die geplante neue Verfassung soll jungen Frauen ermöglichen, anders als bisher auch mit Kopftuch zu studieren. Eine Verschleierung des ganzen Körpers soll allerdings weiterhin verboten bleiben. Zudem soll die neue Verfassung die Bürgerrechte ausweiten und den Weg für Kurdischunterricht an den staatlichen Schulen freimachen. Sie soll den Türken 2008 in einem Referendum vorgelegt werden.

Viele Wähler von Erdogans Partei AKP, die bei der Parlamentswahl im Juli fast 47 Prozent erhalten hatte, fordern eine Aufhebung des Kopftuchverbots. Die Ehefrauen und Töchter von Erdogan und Staatspräsident Abdullah Gül verhüllen wie etwa 60 Prozent der Türkinnen ihr Haar. Einer jungen Frau dürfe nicht aufgrund ihrer Kleidung das Recht auf Hochschulausbildung versagt werden, betonte Erdogan. Er verwies auch darauf, dass es in westlichen Staaten kein Kopftuchverbot für Studentinnen gibt. Schon jetzt laufen türkische Kemalisten gegen die Pläne Sturm. Sie betrachten das Kopftuch als Symbol des politischen Islam. Die türkische Hochschulrektorenkonferenz, eine streng kemalistische Institution, bezeichnete eine mögliche Freigabe des Kopftuchs am Mittwoch als illegal. Unterstützung kommt auch von der CDU-Europapolitikerin Renate Sommer. Sie befürchtet eine weitere Islamisierung der Türkei, sagte die Vizevorsitzende des Parlamentarierausschusses von EU und Türkei dem Tagesspiegel. Wenn das Kopftuchverbot in der Türkei abgeschafft werde, könne das einen „Gruppendruck“ auf Frauen auslösen, die kein Kopftuch tragen wollten. „Dann stellt sich die Frage, wie lange sie sich das noch aussuchen dürfen.“ Thomas Seibert

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