Politik : Neuer Regierungschef Putin will die Ordnung in Dagestan in zwei Wochen wiederherstellen

Drei Jahre nach dem Ende des Tschetschenien-Kriegs ist Russland erneut mit Unabhängigkeitsbestrebungen im Kaukasus konfrontiert. Ähnlich wie im benachbarten Tschetschenien 1994 riefen Moslem-Rebellen am Dienstag in der Autonomen Republik Dagestan einen unabhängigen islamischen Staat aus, wie ein Sprecher der Gruppe "Schura von Dagestan" sagte. Gleichzeitig forderte die Gruppe die moslemische Bevölkerung Tschetscheniens zur Unterstützung im Kampf gegen Russland auf und verkündete die Einrichtung islamischer Tribunale in den "befreiten Territorien" Dagestans. Der neue russische Regierungschef Wladimir Putin versicherte dagegen, die Situation in der Kaukasus-Republik werde sich binnen zwei Wochen normalisieren. Tausende ergriffen nach den Kämpfen der vergangenen Tagen die Flucht.

Auf einer geheimen Versammlung in den Bergen von Dagestan rief die "Schura", ein von Moskau nicht anerkannter islamischer Rat, alle Moslems zur Mithilfe auf, die Republik von "Besetzern" aus Russland freizumachen. "Wir, die Moslems von Dagestan, erklären hiermit offiziell die Rückkehr der Unabhängigkeit für den islamischen Staat Dagestan", hieß es in der offiziellen Erklärung, die der Nachrichtenagentur AFP zuging. Ein ranghoher Moskauer Moslem-Sprecher wurde dagegen von Interfax mit den Worten zitiert, die Gründung einer islamischen Republik sei "unrealistisch und sinnlos".

In der Nacht zum Dienstag blieb es in Dagestan nach Berichten der Nachrichtenagentur Itar-Tass ruhig. Die seit dem Wochenende anhaltenden Kämpfe zwischen russischen Truppen und moslemischen Rebellen trieben nach amtlichen Angaben mehrere tausend Menschen in die Flucht. In der dagestanischen Hauptstadt Machatschkala seien bereits mehr als 4000 Flüchtlinge aus der Grenzregion eingetroffen, wurde Bürgermeister Said Amirow am Montag von der Nachrichtenagentur Itar-Tass zitiert. Amirow fordert, zum Kampf gegen die Moslem-Gruppen sollten "internationale Brigaden" gegründet werden. Nach seinen Angaben erklärten sich bereits mehr als 1000 dagestanische Männer zu einer Mitwirkung bereit. Der dagestanische Verband der Afghanistan-Kämpfer kündigte an, Veteranen in den Kampf zu schicken. Nach amtlichen dagestanischen Angaben wurden bei den Kämpfen 40 Rebellen getötet.

Putin bezeichnete die Angriffe der Moslem-Rebellen als "terroristische Akte". Die russischen Truppen würden jedoch spätestens in 14 Tagen die Ordnung wiederherstellen, sagte er dem russischen Fernsehsender NTW. Es werde indessen länger dauern, die Regierung in Dagestan wieder zu stabilisieren. Verteidigungsminister Igor Sergejew, der nach dem Willen Putins auch in der künftigen Regierung sein Amt behalten soll, fügte hinzu, er habe Spezialisten eingesetzt, die die Entwicklungen in Dagestan und Tschetschenien beobachten sollten.

Vor der geplanten Abstimmung über Putin in der von Kommunisten und Nationalisten dominierten Duma signalisierten einige Fraktionen Unterstützung. "Es gibt keinen Grund, Putin nicht zu bestätigen", sagte der Abgeordnete Wladimir Lukin von der liberalen Jabloko-Fraktion. Auch Vize-Fraktionschef Sergej Iwanenko forderte eine schnelle Beendigung der Krise. "Die Regierung sollte so schnell wie möglich zu normaler Arbeit zurückkehren", sagte er. Die reformorientierte Bewegung Unser Haus Russland kündigte ebenfalls Unterstützung für Putin an.

Der Vorsitzende der größten Duma-Fraktion, KP-Chef Sjuganow, beschränkte sich in seiner Kritik auf Jelzin. Sjuganow kritisierte die Entlassung Stepaschins als Zeichen einer "100-prozentigen Agonie des Regimes". "Solange im Kreml Jelzin mit seinem Familien-Politbüro sitzt, wird niemand im Lande arbeiten können", warnte er. Jelzins Entscheidungen seien Ausdruck "klinischen Schwachsinns".

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