Politik : Neuer Schlag gegen Al Qaida?

Führungsmitglied soll in Iran gefasst worden sein / Al Zarqawi auch in Deutschland unter Verdacht

Frank Jansen

Berlin. Sollte sich die Meldung der arabischen Zeitung „Al Scharq al Ausat“ bestätigen, hat Al Qaida wieder einen schweren Schlag hinnehmen müssen. Das in London erscheinende Blatt meldete am Wochenende, die Sicherheitsbehörden in Iran hätten Abu Mosab al Zarqawi festgenommen, eine der Führungsfiguren im weltweiten Netz des islamistischen Terrorismus. Anfang Februar wurde der Jordanier palästinensischer Herkunft sogar ein unfreiwilliger Kronzeuge der amerikanischen Vorwürfe gegen Saddam Hussein. In seiner Rede vor dem Weltsicherheitsrat behauptete US-Außenminister Colin Powell, al Zarqawi sei in Bagdad medizinisch behandelt worden und habe im Irak eine Al-Qaida-Zelle aufbauen können.

Die deutschen Sicherheitsbehörden haben allerdings immer bezweifelt, dass Saddam Hussein mit al Zarqawi und mit Al Qaida überhaupt kooperiert hat. Eine mögliche Festnahme des Jordaniers ist dennoch für die Bundesrepublik von großem Interesse. Generalbundesanwalt Kay Nehm ermittelt gegen al Zarqawi wegen des Verdachts der „Rädelsführerschaft“ in einer terroristischen Vereinigung. Im April 2002 durchsuchte das Bundeskriminalamt im Auftrag Nehms 19 Objekte in zehn Städten, um Anhängern der mit Al Qaida verbündeten Bewegung „Al Tawhid“ auf die Spur zu kommen. Als deren „operativer Führer“ gilt der Mittdreißiger al Zarqawi. Bei der Razzia wurden vor allem falsche Ausweise entdeckt.

Al Zarqawi soll Kämpfer von Afghanistan über Iran und andere Länder nach Westeuropa geschleust haben. Es gebe auch Hinweise, al Zarqawi habe Anschläge in Deutschland geplant, heißt es in Sicherheitskreisen.

Der Jordanier kann eine klassische Terrorbiografie vorweisen. Nahe der afghanischen Stadt Herat führte er ein eigenes Trainingscamp und tat sich mit Osama bin Laden zusammen. Al Zarqawi erlitt beim Angriff der Amerikaner in Afghanistan eine schwere Verletzung, in Bagdad wurde ihm Mitte 2002 ein Bein amputiert. Anschließend verschwand al Zarqawi in den Nordirak zur Terrorgruppe Ansar al Islam. Im Oktober wurde in Jordanien ein US-Diplomat erschossen, als Hintermann gilt al Zarqawi.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben