Neuer Staatsminister : Von der Pizza-Connection ins Kanzleramt

Der 47-jährige CDU-Politiker Hermann Gröhe wird neuer Staatsminister im Kanzleramt. Er gehört seit langem zu Angela Merkels "Boy-Group".

Robert Birnbaum

Berlin – Hermann Gröhe hat nie in der vordersten, der sichtbaren Reihe der Politik gestanden. Insofern ist das Amt des Staatsministers im Kanzleramt, das der 47-jährige CDU-Politiker zum 1. Oktober von der in die Wirtschaft gewechselten Hildegard Müller übernimmt, die logische Fortsetzung seiner Karriere. Er wird dort weiterhin im Stillen wirken und für Angela Merkel vor allem die Zusammenarbeit mit den Ländern und der Bundestagsfraktion koordinieren.

Gröhe, derzeit noch Justitiar der Fraktion, gehört seit langem zu Merkels „Boy- Group“. Die rekrutiert sich zu großen Teilen aus der einstigen „Pizza-Connection“, in der sich Anfang der 90er Jahre in Bonn junge Schwarze und junge Grüne trafen. Gröhe, damals Chef der Jungen Union, war Mitbegründer des informellen Clübchens, dem zum Beispiel auch Norbert Röttgen – heute Fraktionsgeschäftsführer – oder Peter Altmaier angehörte, heute Parlamentarischer Staatsminister im Innenministerium.

So vernetzt dürfte ihm das Koordinieren nicht allzu schwer fallen. Zumal im Kreis der Ministerpräsidenten könnte er sich mit seiner verbindlichen Art sogar leichter tun als seine Vorgängerin Müller, die bei den Länderfürsten immer als eine Spur zu schnippisch galt. Gröhes Gesellenstück, das ihn für höhere Aufgaben empfahl, war der „Fall Dreier“. Gröhe hat in den Verhandlungen mit den Ländern und der SPD dafür gesorgt, dass nicht der in Teilen der Union als allzu liberal verschrieene Jurist Horst Dreier Verfassungsrichter wurde, sondern der Freiburger Professor Andreas Voßkuhle. Koordinator Gröhe trat wie üblich kaum in Erscheinung. Doch das Ergebnis war zur Zufriedenheit der Unionsbeteiligten. Robert Birnbaum

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