Politik : Neuer Störfall in schwedischem Atomkraftwerk

Andre Anwar

Stockholm - Die Pannenserie im schwedischen Atomkraftwerk (AKW) Forsmark reißt nicht ab. In der Nacht zum Samstag musste der Reaktor Eins erneut wegen Sicherheitsmängeln abgeschaltet werden. Am Samstagvormittag folgte der Reaktor Zwei: Es bestehe die Möglichkeit von Lecks an Gummidichtungen der äußeren Reaktorwände, sagte ein Sprecher des mehrheitlich vom Energiekonzern „Vattenfall“ betrieben Kraftwerks. Die Dichtungen wurden zuletzt 1997 getestet. Nun ist eine genauere Überprüfung geplant, bevor entschieden wird, ob das Material völlig ausgetauscht werden muss. Die Maßnahme sei nur profilaktischer Natur,so der Sprecher des 150 Kilometer nördlich von Stockholm liegenden AKWs. Radioaktive Strahlung sei nicht ausgetreten.

Die staatliche Reaktorsicherheitsinspektion (SKI), die am Mittwoch mit den Betreibern zusammenkommen will, begrüßte die Entscheidung. „Dass bei Tests Fehler gefunden werden, ist nicht so ungewöhnlich. Aber das Betreiber sich entscheiden Reaktoren abzuschalten, kann auf ernstzunehmende Fehler hindeuten“, sagte SKI-Chef Björn Karlsson.

Erst im Sommer hatte man die zwei 26 Jahre alten Forsmark-Reaktoren vom Netz genommen. Nach einem Kurzschluss versagten damals zwei von vier Notstromgeneratoren, die eine Überhitzung der Reaktoren verhindern. Danach wurden vier der zehn Reaktoren Schwedens stillgelegt und überprüft. SKI-Chef Karlsson bewerte den Fall als den Gefährlichsten in der schwedischen Kernkraft. Ähnlich sei die Ausgangssituation in Tschernobyl gewesen, warnten schwedische Experten. Erst vergangene Woche sickerte ein scharf formulierter interner AKW-Report durch, der im Sommer erstellt worden war. Darin wird vor weiter bestehenden Sicherheitslücken, „unakzeptablen Risiken“ sowie betrunkenen AKW-Arbeitern gewarnt. Seit letzter Woche ermittelt auch die Staatsanwaltschaft im Fall Forsmark.

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