Politik : Neuer Terror in Israel: Selbstmordanschlag mitten in Jerusalem

In Israel hat sich abermals ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt und mindestens 16 Menschen mit in den Tod gerissen. Mindestens 80 weitere Menschen wurden nach Angaben des israelischen Sicherheitsministers Uzi Landau bei dem Anschlag verletzt. Der 23-jährige Attentäter zündete nach Polizeiangaben in einer vollbesetzten Pizzeria an einer belebten Straßenkreuzung im Herzen Jerusalems einen Sprengsatz, den er am Körper trug. Zu der Tat bekannte sich die militante Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad. Die israelische Regierung kündigte Vergeltung an.

Der Sprengsatz war nach Polizeiangaben mit Nägeln gespickt. Das Stadtviertel wurde weiträumig abgeriegelt. Beamte suchten nach möglichen weiteren Sprengsätzen. Die israelischen Sicherheitskräfte befanden sich seit Wochen in Alarmzustand, weil sie palästinensische Vergeltungsschläge für die gezielten Angriffe der israelischen Armee auf von ihr gesuchte Palästinenser befürchteten. Bei dem Attentat handelte es sich um den bislang schwersten Anschlag in Jerusalem seit dem Beginn der "El-Aksa-Intifada" vor zehn Monaten.

Das israelische Fernsehen unterbrach seine Sendungen und strahlte die Telefonnummern von Krankenhäusern aus, in die die Verletzten gebracht wurden. Auf den Straßen vor der Pizzeria saßen blutüberströmte Menschen inmitten von Glasscherben. Auf dem Fußboden des Restaurants lagen Gäste zwischen umgestürzten Tischen und Stühlen.

Ein Anführer des Islamischen Dschihad bezeichnete den Anschlag als "Vergeltung für die Angriffe" Israels auf die Palästinenser. Nafes Assam sagte in Gaza vor Journalisten, der Anschlag in Jerusalem vergelte "die täglichen Aktionen Israels gegen unser Volk". Die radikalislamischen Organisationen Hamas und Dschihad kündigten weitere ähnliche Anschläge in Israel an.

Der israelische Kommunikationsminister Reuwen Riwlin kündigte Vergeltung für die Bluttat an. "Israel muss antworten", sagte er im Fernsehen in einer ersten Reaktion auf den Anschlag. Die Palästinenser müssten den Preis für die Politik ihrer Führung bezahlen. Dagegen machte der palästinensische Informationsminister Jassir Abed Rabbo die Politik des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon für das Attentat verantwortlich. Kurz nach dem Anschlag löste ein platzender Reifen auf dem Jerusalemer Busbahnhof eine Bombenpanik aus. Radio und Fernsehen meldeten zunächst, auf dem Bahnhof habe es eine Explosion gegeben. Zahlreiche Polizei- und Rettungswagen rasten daraufhin herbei. Tatsächlich explodierte lediglich der Reifen eines Autobusses. Ein Polizeisprecher sprach kurze Zeit später von einem Fehlalarm.

Der Präsident der EU-Kommission, Romano Prodi, verurteilte den Anschlag im Zentrum Jerusalems auf das Schärfste. Ein entsprechendes Schreiben sandte Prodi nach Angaben der Brüsseler Behörde am Donnerstag an den israelischen Präsidenten Mosche Katzav. "In meinem und im Namen der Europäischen Kommission drücke ich den Hinterbliebenen mein tiefes Mitgefühl aus und wünsche den Verletzten eine baldige Genesung", hieß es darin.

Auch die Bundesregierung verurteilte den jüngsten Terroranschlag in Jerusalem. Bundesaußenminister Joschka Fischer forderte die Palästinenser am Donnerstag in Berlin auf, alles zu tun, um den Terror zu unterbinden.

Der Anschlag führe allen Beteiligten vor Augen, dass die Kette von Gewalt und Gegengewalt durchbrochen werden müsse. Fischer bekräftigte, dass der vorliegende Mitchell-Plan die entscheidende Grundlage für eine friedliche Lösung des Konflikts biete. "Ich appelliere an alle Beteiligten, diese Chance nicht zu verspielen", sagte der Grünen-Politiker.

Im Westjordanland ist ein israelischer Soldat nach Angaben der Armee von Palästinensern erschossen worden. Der Mann sei am Donnerstag in der Nähe der jüdischen Siedlung Avnei Hefez getötet worden, teilten Bewohner der Siedlung mit. Nach palästinensischen Angaben beschossen daraufhin israelische Panzer einen palästinensischen Kontrollposten in Tulkarem mit Granaten. Dabei seien ein Zivilist und zwei Mitglieder der Leibgarde von Palästinenserpräsident Jassir Arafat, der "Force 17", leicht verletzt worden.

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