Politik : Neuer Versuch mit 84

Tel Aviv - Vizeministerpräsident Schimon Peres will israelischer Staatspräsident werden. Der „ewige Verlierer“ kündigte seine Kandidatur für das weitgehend zeremonielle Amt des Oberhauptes des jüdischen Staates an.

84 Jahre alt ist Schimon Peres, der Friedensnobelpreisträger, zweifache ehemalige Ministerpräsident, dreifache Ex-Außen- und Verteidigungsminister. Mit dem Satz „ich bin nicht der jüngste Knesset-Abgeordnete“ versuchte er bei der Ankündigung der Kandidatur eines seiner zwei großen Handicaps witzig zu überwinden. Auch dass er 91 Jahre alt wäre am Ende der siebenjährigen Amtszeit schreckt ihn nicht, denn er bezeichnete bei dieser Gelegenheit die angestrebte Präsidentschaft nur als „vielleicht meinen letzten Beitrag im Dienste des Staates“. Und er bat „Gott um ein langes Leben, wenn es auch nur wäre um den Kredit zu rechtfertigen, den man mir einräumt“.

Tatsächlich genießt Peres seit Jahrzehnten im Ausland hohes Ansehen, während er in Israel eher unter vom politischen Gegner verbreiteten Gerüchten und Verleumdungen litt. Doch nun will ihn die große Mehrheit der Bürger als ihr Staatsoberhaupt. Das war schon so vor sieben Jahren, als der absolut siegessichere Peres als Kandidat der Arbeitspartei gegen den unsäglichen Mosche Katsav vom Likud unterlag: Die ultrareligiöse Schas hatte Peres ihre Stimmen versprochen, diese aber in der geheimen Wahl Katsav gegeben.

Peres allerdings wird das Verliererimage nicht los – zu Recht. So unterlag er seinem ewigen Rivalen Jitzchak Rabin mehrfach bei der Wahl des Arbeitspartei-Vorsitzenden. Er vergab nach Rabins Ermordung den „sichersten Wahlsieg aller Zeiten“ gegen Benjamin Netanjahu. Seine bitterste Niederlage – nach der Nichtwahl zum Präsidenten – erlitt der Siegessichere vor anderthalb Jahren gegen Amir Peretz, den am Montag abgewählten Vorsitzenden der Arbeitspartei. Peres verließ daraufhin seine alte Partei und schloss sich der von Ariel Scharon neugegründeten Kadima-Partei an. cal

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