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Neues IS-Video : Bundesregierung entsetzt über Hinrichtung von David Haines

Wieder haben die islamischen Terroristen eine Geisel vor laufender Kamera getötet, diesmal den britischen Entwicklungshelfer David Haines. Der Täter offenbar der gleiche wie in den ersten Videos. Auch Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier reagieren bestürzt.

Die Flagge der islamistischen Terrorgruppe IS Irak.
Die Flagge der islamistischen Terrorgruppe IS Irak.Foto: AFP

Nach zwei US-Journalisten hat die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) einen britischen Entwicklungshelfer vor laufender Kamera getötet. Die Extremisten veröffentlichten am Samstag ein Video, das die Enthauptung von David Haines durch einen Vermummten zeigen soll. Das Video ist nach Angaben des britischen Außenministeriums wohl echt. „Alle Zeichen deuten darauf hin, dass es authentisch ist“, teilte das Ministerium am Sonntag in London mit.
In London kam am Sonntag unter Leitung des Premierministers das nationale Sicherheitskabinett zusammen, um die Lage zu erörtern. Der britische Premierminister David Cameron verurteilte einen "verabscheuenswürdigen Mord". US-Präsident Barack Obama zeigte sich entschlossener denn je, den IS zu "zerstören".

Das neue Video war auf der Website des US-Unternehmens Site abzurufen, das sich auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisiert hat. Haines sei als Vergeltung enthauptet worden, weil sich Cameron an der US-geführten Koalition gegen den IS beteilige, sagte der Vermummte in dem Video. Die 02.27 Minuten lange Aufnahme hat den Titel: "Eine Botschaft an die Alliierten der USA". Das Video beginnt mit einem Clip, in dem Cameron die britische Strategie gegen den IS darlegt.

Bilder sehr ähnlich wie im Foley-Video

Zu sehen ist dann Haines, gekleidet in einen orangefarbenen Overall. Er sagt seinen Namen und erklärt gefasst, er zahle den Preis für Camerons Politik. Der Vermummte - offenbar derselbe Extremist, der auch in den anderen Enthauptungsvideos zu sehen war - warnt die Briten, sie würden in "einen weiteren blutigen und nicht zu gewinnenden Krieg" gezogen. Am Ende der Aufnahme droht er mit der Ermordung einer weiteren britischen IS-Geisel.
Der in Schottland geborene Haines war im März 2013 in Syrien verschleppt worden. Der 44-Jährige arbeitete für die internationale Hilfsorganisation Acted. Zuvor war er auf dem Balkan, in afrikanischen Staaten und im Nahen Osten als Entwicklungshelfer im Einsatz. Sein Bruder Mike würdigte ihn als "geliebten Bruder, der kaltblütig ermordet wurde".

Merkel spricht Cameron Anteilnahme aus

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich entsetzt über die "menschenverachtende Tat" geäußert. Diese sei durch nichts zu rechtfertigen und müsse geahndet werden, erklärte Merkel in einer Botschaft an den britischen Premierminister, wie eine Sprecherin der Bundesregierung am Sonntag mitteilte. Demnach sprach Merkel Cameron ihre Anteilnahme aus und bat ihn, ihr Mitgefühl auch an die Familie des getöteten David Haines auszurichten. Diese müsse durch den Verlust unendliches Leid ertragen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) erklärte, die Hinrichtung des in Syrien verschleppten Haines sei ein "abscheulicher Akt barbarischer Gewalt jenseits aller Grenzen menschlicher Zivilisation". Die Veröffentlichung und Verbreitung des Hinrichtungsvideos im Internet nannte Steinmeier einen "weiteren inakzeptablen Tabubruch". Die französische Initiative zu dem Pariser Treffen am Montag, bei dem das internationale Vorgehen gegen die radikalsunnitischen IS-Kämpfer im Irak und Syrien koordiniert werden soll, komme zur rechten Zeit, erklärte der Außenminister. "Wir brauchen jetzt schnell eine breit angelegte und regional verankerte politische Strategie." In den vom IS kontrollierten Gebieten werde "gemordet, vergewaltigt, gebrandschatzt", erklärte Steinmeier weiter. Er habe ferner zu einem Treffen zu dem Thema mit den Außenministern der sieben größten Industrienationen (G7) am Rande der UN-Generalversammlung in der kommenden Woche in New York eingeladen.

Cameron: "Eine Tat des schieren Bösen"

Auch Cameron reagierte bestürzt. "Dies ist ein verabscheuenswürdiger und entsetzlicher Mord an einem unschuldigen Entwicklungshelfer. Es ist eine Tat des schieren Bösen", sagte er laut einer Erklärung von Downing Street. "Wir werden alles in unserer Macht tun, um diese Mörder zu jagen und zur Rechenschaft zu ziehen." Sollte sich die Echtheit der Aufnahmen bestätigen, wäre Haines das dritte westliche Opfer der Extremisten, das vor laufender Kamera getötet wurde. Am 19. August hatte der IS ein Video ins Netz gestellt, das die Ermordung des US-Journalisten James Foley zeigte. Am 2. September folgte ein Video mit der Ermordung des US-Reporters Steven Sotloff.

Barack Obama hat sich dem Druck der Dschihadisten bislang nicht gebeugt. Er kündigte am Mittwoch an, die Luftangriffe auf IS-Stellungen im Irak zu verstärken und auch auf Syrien auszuweiten. Nach dem Auftauchen des neuen Videos verurteilte er einen "barbarischen Mord". "Die USA stehen heute Nacht Schulter an Schulter mit unserem engen Freund und Verbündeten - in Trauer und Entschlossenheit", hieß es in einer Erklärung Obamas. "Wir werden mit dem Vereinigten Königreich und einer breiten Koalition von Ländern aus der Region und der ganzen Welt die Täter dieser abscheulichen Tat zur Rechenschaft ziehen und die Bedrohung (durch den IS) schwächen und zerstören." Deutschland beteiligt sich am Kampf gegen den IS wie Großbritannien in Form von Waffenlieferungen an die kurdischen Peschmerga im Nordirak. Die USA bemühen sich intensiv, möglichst viele arabische und europäische Länder in eine Koalition einzubinden.

Australien sagt Beteiligung im Kampf gegen IS zu

US-Außenminister John Kerry hatte mit dem Ziel am Samstag Gespräche mit der ägyptischen Regierung geführt - ohne konkrete Zusagen zu erhalten. In der Nacht zum Sonntag traf Kerry in Paris ein. Dort soll am Montag auf einer internationalen Konferenz über die Stabilisierung des Irak beraten werden.

Australien hat derweil seine Unterstützung im Kampf gegen die Extremistenmiliz im Irak durch den Einsatz von mit Soldaten und Kampfflugzeugen zugesagt. 600 Militärangehörige würden in die Vereinigten Arabischen Emirate entsandt und sollten dort in einem US-Hauptquartier stationiert werden, teilte Regierungschef Tony Abbott am Sonntag mit. Acht Kampfjets des Typs Super Hornet, ein Frühwarn- und Überwachungsflugzeug sowie ein Tankflugzeug sollten in den nächsten Tagen ebenfalls dorthin verlegt werden. Damit konkretisiert Australien als erstes Land, in welchem Umfang es sich an dem derzeit von den USA geschmiedeten Bündnis gegen die radikalen Islamisten beteiligen will. Ob Australien auch Kampftruppen entsende, sei noch nicht entschieden, fügte Abbott hinzu. (AFP/dpa/Reuters)

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