Politik : Neues Konzept soll bis Ende 2000 stehen

Die katholische Kirche will bis Ende des Jahres ein neues Konzept zur Schwangerschaftsberatung "ohne Schein" erarbeiten. Nach dem päpstlichen Verbot der Beteiligung an der staatlichen Schwangerschaftsberatung, die über den Beratungsschein auch einen Abbruch ermöglicht, nutze man die Möglichkeit zu einer grundsätzlichen Überarbeitung des Angebots, sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Karl Lehmann. Allerdings müsse man neue Wege zu den betroffenen Frauen erschließen, da bisher 80 Prozent der Beratenen von Frauenärzten vermittelt worden seien.

Trotz der offenen Konflikte zwischen den deutschen Diözesen während des monatelangen Streits mit dem Papst gebe es eine gute Chance, eine "neue Gemeinsamkeit" und ein weitgehend abgeglichenes Beratungssystem zu gestalten, sagte Lehmann. Bei allen Gegensätzen sei die Auseinandersetzung zwischen den Bischöfen doch fair gewesen.

Der Erfurter Bischof Joachim Wanke sagte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz, die katholischen Beratungsstellen könnten vielleicht davon profitieren, dass sie mit sozialen Hilfseinrichtungen vernetzt seien. Wenn sich herumspreche, dass Frauen in der Beratung "gut behandelt" würden, dann "habe ich keine Sorge, dass uns die Klientel ausgeht". Lehmann sagte, der Zugang müsse über neue Kanäle laufen, etwa aus der Gemeinde heraus. "Es wäre ein Armutszeugnis für die Kirche, wenn sie an ihre Klientel nur über Frauenärzte herankommt."

Die Laienorganisation Zentralkomitee der deutschen Katholiken hatte Ende Januar beschlossen, ein eigenes Beratungssystem im Rahmen der Organisation "Donum Vitae" unabhängig von der Amtskirche zu führen.

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