Politik : Neues Parlament soll Libyen einen

Tripolis - Zum ersten Mal seit 60 Jahren wird das libysche Volk demokratisch repräsentiert. Am Mittwoch übergab der Übergangsrat die Macht an den neuen Nationalkongress. In einer symbolischen Geste überreichte der Vorsitzende des Übergangsrates, Mustafa Abdel Dschalil, dem ältesten Mitglied des Kongresses, Mohammed Ali Salim, eine libysche Flagge. Die Zeremonie in einem neuen Konferenzzentrum der Hauptstadt Tripolis fand unter schweren Sicherheitsvorkehrungen statt, Delegierte und Diplomaten verschiedener arabischer Staaten nahmen an der Zeremonie teil. Aufgabe des im Juli gewählten Kongresses wird es sein, die Wahl einer verfassungsgebenden Versammlung vorzubereiten und ein Referendum über eine zukünftige Verfassung zu organisieren. Stärkste Kraft mit 39 Sitzen wurde die gemäßigte Allianz Nationaler Kräfte, gefolgt von der Partei für Gerechtigkeit und Aufbau - der Partei der libyschen Muslimbrüder -, die 17 Sitze gewinnen konnte. 120 der insgesamt 200 Sitze waren für unabhängige Kandidaten reserviert.

Der Übergangsrat gibt somit rund ein Jahr nach dem Sturz des Diktators Muammar al Gadaffi die Macht aus den Händen. Kurz nach Beginn der Aufstände im Februar 2011 formierte sich der Rat als oppositionelles Organ gegen den Machthaber. Im September 2011 erkannte die UN-Generalversammlung den Übergangsrat als offizielle Vertretung Libyens an. In seiner Rede wies Dschali auf die immer noch schwierige Sicherheitslage hin. Es sei dem Übergangsrat nicht gelungen, das Land zu stabilisieren. Noch immer weigern sich bewaffnete Milizen, sich der Autorität der Regierung zu unterwerfen. Immer wieder kommt es zu Gewaltakten. Erst am vergangenen Wochenende explodierte in Tripolis eine Autobombe. gia/dpa

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